Punë në Gjermani

Albanien: Proteste gegen Kushner-Luxusprojekt in Tirana


Seit Wochen versammeln sich in der albanischen Hauptstadt Tirana jeden Abend Tausende Menschen zu Protestmärschen gegen ein Luxus-Immobilienprojekt, an dem eine Firma des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, beteiligt ist. Die Demonstrationen haben weltweit Aufmerksamkeit erregt – auch wegen der Flamingo-Figuren, die Teilnehmer hochhalten und die der noch jungen Protestbewegung den Spitznamen „Flamingo-Revolution“ eingetragen haben. Obwohl die Demonstranten keiner bestimmten Partei angehören, fordern sie fast ausnahmslos den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama.

Das Luxusprojekt besteht aus zwei Teilen: einem kleinen Resort auf der Insel Sazan, einem unbewohnten ehemaligen Militärstützpunkt aus der Zeit des Kommunismus, und einer Bebauung in einem nahe gelegenen Küstengebiet der Narta-Lagune, das bislang unter Naturschutz steht und in dem Feuchtgebietsarten wie Flamingos zu finden sind. Das Vorhaben umfasst Hotels, Wohnungen, Villen und einen Jachthafen.

Wer sind die „Flamingo-Revolutionäre“, was beseelt sie? Die Nachrichtenagentur AP stellt drei von ihnen vor.

Die Künstlerin, die Flamingos bastelt

Fatma Paja lebt in Tirana und betreibt mit ihren beiden Schwestern ein Kreativstudio. Die 28-Jährige hat gemeinsam mit mehreren anderen Künstlern die aus Schaumstoff ausgeschnittenen Flamingos gestaltet, die mittlerweile fester Bestandteil der abendlichen Kundgebungen sind. „Ich nutze Kunst schon seit Langem als Mittel, um die Ungerechtigkeiten und die Unzufriedenheit im Zusammenhang mit dem Alltag der Menschen in Albanien zum Ausdruck zu bringen“, sagte Paja der Nachrichtenagentur AP, während sie eine Flamingo-Figur für die Demonstration am Abend rosa anmalte.

Das Immobilienprojekt hat Empörung ausgelöst, da es bislang unberührte Natur, einen einzigartigen Lebensraum unumkehrbar zerstören würde, wie Umweltschützer sagen. Die Demonstranten fordern den Stopp des Vorhabens und verweisen dabei auf mangelnde Transparenz sowie darauf, dass bei vielen ähnlichen Projekten Umweltstandards nicht eingehalten worden seien.

„Ich bin gegen ein elitäres Projekt, das ein vollständig geschütztes Gebiet blockiert und zerstört“, sagt Paja. „Es hat keine rechtliche Grundlage und wird durch keine Studie zu den Schäden gestützt, die es für Umwelt und Natur verursachen würde.“

So führt denn Paja bei den Protestmärschen per Lautsprecher auch Sprechchöre wie „Albanien ist nicht zu verkaufen!“ und „Hände weg von Narta!“ an. „Dieser Protest hat die Menschen motiviert, ihre Stimme zu erheben“, sagt sie.

Vom Reiseleiter zum Anführer der Proteste

Arben Kola, einer der ersten Teilnehmer der „Flamingo-Revolution“, arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt als Reiseleiter. Er führt Besucher zu historischen Stätten und Naturgebieten in ganz Albanien – wozu auch das Gebiet rund um das geplante Bauprojekt zählt.

Der Tourismus in Albanien ist in den letzten Jahren stark gewachsen, immer mehr Menschen genießen die weitläufige, unberührte Küste des Landes. Sie hat offensichtlich auch Kushner und seine Ehefrau Ivanka Trump beeindruckt, die im Mai in einem Podcast erzählten, dass sie den Standort des geplanten Bauprojekts entdeckt hätten, als sie auf dem Boot eines Freundes unterwegs waren.

Ministerpräsident Rama argumentiert, dass das Vorhaben für das Land, das den Einstieg in den Luxus-Tourismusmarkt und eine EU-Mitgliedschaft anstrebt, eine grundlegende Bedeutung habe – und andere große Investoren anlocken würde. Für Kola ist das Vorantreiben des Projekts ein weiteres Beispiel dafür, dass die Regierung ihre Macht missbraucht – und er konnte das nicht länger ertragen. Deshalb schloss er sich bereits in den ersten Tagen der Protestbewegung an.

Protest gegen Kushner-Projekt

„Albanien hat mit einem hohen Maß an Korruption zu kämpfen, verbunden mit der Privatisierung und dem Verschenken von Land, Stränden, Tälern und Flüssen“, sagte der 46-Jährige der AP, während er eine Reisegruppe durch Tirana führte.

Die albanische Antikorruptionsbehörde hat eine Untersuchung im Zusammenhang mit dem Projekt eingeleitet. Die Regierung behauptet, das Land befinde sich in Privatbesitz, doch es gibt gegensätzliche Angaben zum Verlauf der Privatisierung.

In einem AP-Interview wies Rama kürzlich Einwände von Umweltschützern als Ergebnis von Fehlinformationen zurück. Eine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung hat nach seinen Angaben noch nicht begonnen, da internationale Architekten und Umweltexperten noch am Bebauungsplan arbeiteten. Kola hat aber den Eindruck, dass das Projekt bereits auf Hochtouren läuft, verweist darauf, dass damit begonnen wurde, Flächen innerhalb eines Naturschutzgebiets zu roden.

Er zählt jetzt zu denjenigen, die die Menschenmengen anleiten, indem sie über ein Megafon zu ihnen sprechen – und ist immer noch überwältigt davon, wie sehr die Demonstrationen an Größe gewonnen haben. „Wir hätten nicht gedacht, dass der Protest diese Ausmaße annehmen würde“, sagt Kola. Er werde immer wieder gefragt, ob die Bewegung weitergehen werde. „Das hängt von den Menschen ab“, sagt er.

Die Matriarchin der Proteste

Im Gegensatz zu den meisten anderen Protesten, die Albanien in den mehr als drei Jahrzehnten der Demokratie erlebt hat, schließen sich diesmal den jungen Demonstranten immer mehr Rentner an. Dazu zählt die 70-jährige Bujare Ishmi, eine ehemalige Ingenieurin. Sie nimmt fast jeden Abend an den Protesten teil und trägt ein Plakat mit der Aufschrift: „Ihr habt die Macht der Kriminalität, wir haben die Macht der Wahrheit.“

„Nona! Nona!“, skandieren die Demonstranten, als sie eintrifft. Das Wort ist ein albanischer Kosename für ein älteres weibliches Familienmitglied und signalisiert, dass sie die Matriarchin der Proteste ist. Ishmi, deren Mann ein ehemaliger politischer Gefangener, Opfer der vier Jahrzehnte (1946-1985) währenden Diktatur von Enver Hoxha ist, beschreibt Albaniens Demokratie als „halbherzig“. Sie sei nicht gegen ausländische Investitionen, betont sie, jedoch besorgt über die mangelnde Transparenz. Investitionen brächten Fortschritt, „aber die richtigen Rahmenbedingungen müssen gewahrt bleiben.“



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