
Albanien: Proteste wegen Luxusresort von Trump-Schwiegersohn
In Albanien sind erneut Bürger gegen ein Luxus-Bauprojekt auf die Straße gegangen, an dem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, beteiligt ist. Auch Trumps Tochter Ivanka Trump und Ehefrau von Kushner ist involviert. Seit knapp einem Monat gibt es tägliche Kundgebungen.
Am Samstagabend zogen Tausende durch die Hauptstadt Tirana. Sie forderten erneut den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Demonstranten trugen unter anderem übergroße Flamingo-Figuren durch die Straßen und hielten Plakate mit der Aufschrift “Resign” (Rücktritt) hoch.
“Unsere Forderungen sind sehr klar. Die erste ist der Rücktritt des Ministerpräsidenten und seiner Regierung”, sagte die Mitorganisatorin Luciana Kokaj der Nachrichtenagentur AFP. Die Anwältin Irena Dule sagte, Grund für die Wut seien “der Mangel an Transparenz, der Mangel an Verantwortung und die Arroganz”.
Auslöser der Proteste ist ein geplantes Luxus-Ferienresort in einem Naturschutzgebiet in Zvernec rund 150 Kilometer südwestlich von Tirana. Vorgestellt wurde es bereits 2024. Die Proteste begannen jedoch, nachdem Ende Mai Stacheldraht an Stränden in Zvernec aufgetaucht war.
Seitdem versammeln sich jeden Abend mindestens mehrere tausend Menschen im Zentrum Tiranas. Offizielle Angaben zu den Teilnehmerzahlen gibt es nicht.
Mehr als 200 Vogelarten im Naturschutzgebiet
Das Bauprojekt ist auch deshalb umstritten, weil es in einer geschützten Naturlandschaft entstehen soll. Nach Angaben des Umweltschützers Zydjon Vorpsi von der Organisation PPNEA kommen in der Region mehr als 200 Vogelarten vor, darunter der bedrohte Krauskopfpelikan und Flamingos.
Dem Plan zufolge ist auch die Umwandlung der unbewohnten Insel Sazan – einst eine geheime kommunistische Militärbasis – in einen glanzvollen Urlaubsort vorgesehen.
Möglich wurde das Projekt durch ein Gesetz vom Februar 2024, das den Bau von Luxushotels in Schutzgebieten erlaubt. Umstritten sind zudem Fragen zum Erwerb von Eigentumstiteln für Teile des Geländes.
Proteste richten sich auch gegen Korruption
Die Proteste haben sich inzwischen zu einer breiteren Bewegung gegen Korruption, steigende Lebenshaltungskosten, Probleme im Gesundheitswesen, niedrige Renten und fehlende Perspektiven für junge Menschen ausgeweitet. Auch im Ausland lebende Albaner reisen zu den Kundgebungen an.
Seit Anfang Juni wurden nach Angaben aus dem Umfeld der Bewegung Ermittlungen gegen mindestens hundert Demonstranten eröffnet, unter anderem wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Teilnahme an illegalen Versammlungen.
Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch Tourismus anzukurbeln. Die Familie von US-Präsident Trump hat weltweit vielfach in Luxusprojekte investiert. Kritiker werfen Kushner und seiner Frau vor, die Präsidentschaft von Donald Trump für eigene Geschäfte zu nutzen.
as/AR (afp, rtr, ap, dpa)
