
Art Basel zeigt Skulptur von Albaniens Premier Edi Rama
Spaltpilz
Kontroverser Politiker stellt an der Art Basel aus

An der Art Basel ist Edi Rama als Künstler, in Albanien polarisiert er zunehmend als Regierungschef. Seine Skulptur «Société» bei der Mittleren Brücke wirft Fragen auf.

Blicken sehnsüchtig nach Europa: Edi Ramas «Société» und Bettina Eichins «Helvetia auf Reisen» (im Hintergrund).
Bild: Kenneth Nars
Ein grüner Pilz wächst auf Kleinbasler Seite in nächster Nähe zu Bettina Eichins «Helvetia auf Reisen». Farblich sind die Skulpturen gut aufeinander abgestimmt, doch dazwischen liegen Welten. Der Urheber des Werkes, das derzeit im Rahmen des Art-Parcours gezeigt wird, heisst Edi Rama: einst im Hauptberuf Künstler, heute in vierter Amtszeit Ministerpräsident Albaniens. Im Basler Restaurant Du Pont sind auch Zeichnungen des Politikers zu sehen, die er während seiner Meetings herstellt und gerne an Staatsgäste verschenkt.
Rama ist als Paradiesvogel, EU-Befürworter und Trump-Enthusiast bekannt. Wegen Letzterem steht er aktuell in der Kritik: Ein geplantes Luxusressort in einem Naturschutzgebiet, das Jared Kushner und Ivanka Trump mit arabischen Geldgebern und albanischen Oligarchen verwirklichen wollen, führt zu massiven Protesten.
«Société» wird von der Security bewacht
Wie das SRF-«Regionaljournal» berichtet , wird Rama vorgeworfen, sich auf Staatskosten eine gute Zeit in Basel zu machen. Dieser widerspricht und diskreditiert die Demonstrierenden als ausländische Agenten. Seine Sprache erinnert an die des Kalten Krieges, als im damaligen kommunistischen Einparteienstaat Albanien die Bunker aus dem Boden sprossen – wie Pilze.
Edi Ramas Regierung steht unter Korruptionsverdacht, rund eine Million Menschen haben Albanien in den vergangenen 20 Jahren verlassen. Dass einige von ihnen nun in Basel von der Skulptur ihres Ministerpräsidenten empfangen werden, die mit Eichins «Helvetia» sehnsüchtig Richtung EU blickt, ist eine bittere Pointe. Wie eine Sprecherin der Art Basel «Bajour» auf Anfrage mitteilte , sei das Werk nur wegen seiner «künstlerischen Qualität» ausgesucht worden, nicht weil man Ramas persönliche Ansichten oder öffentliche Funktionen unterstütze.
Offenbar mag die Messeleitung aber nicht darauf vertrauen, dass die Basler Bevölkerung diese Qualitäten jederzeit zu erkennen vermag: In der Nacht wird «Société» von einem Sicherheitsdienst bewacht.

