
Die Menschen in Serbien und Albanien fordern ein anderes Politiksystem – News
In den Balkanländern ist die Demokratie noch jung. Doch viele sind von der Politik enttäuscht, wie die Proteste zeigen.
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«Rama ins Gefängnis, Berisha ins Gefängnis.» Immer wieder ertönt dieser Slogan an den Protesten in Tirana. Gemeint sind damit Premierminister Edi Rama und Oppositionsführer Sali Berisha. «Wir wollen ein neues Albanien», erklärt die junge Studentin Fatma.
Die Künstlerin Fatma verpasst kaum einen der derzeit täglich stattfindenden Protestmärsche im Regierungsviertel der Hauptstadt Tirana.
SRF / Janis Fahrländer
Auch in Serbien gehen die Menschen gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic auf die Strasse. Wie in Albanien lehnen auch hier viele die Oppositionsparteien ab, sagte Kunststudentin Sofija letztes Jahr in Belgrad.
Aleksandar und Sofija an einer Demonstration in Belgrad im letzten Jahr. Sie und andere Studierende aus dem ganzen Land haben die Protestbewegung ausgelöst.
SRF / Janis Fahrländer
Die Proteste legten in beiden Ländern eine Unzufriedenheit mit dem politischen System als Ganzes offen, sagt Florian Bieber, der das Zentrum für Südosteuropastudien der Universität Graz leitet. «Es ist ein grundlegendes Gefühl, dass diese Art der Demokratie nicht wirklich etwas für die Bevölkerung liefert.»
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Bild 1 von 3.In Tirana protestieren Hunderte Menschen regelmässig gegen ein Luxusprojekt mit Trump-Verbindung.
Bildquelle: Keystone/EPA/MALTON DIBRA.
Bild 2 von 3.In das geplante Luxus-Tourismusprojekt Sazan Island Resort bei Vlora investieren Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten, und ihr Ehegatte Jared Kushner.
Bildquelle: Keystone/AP Photo/Hameraldi Agolli.
Bild 3 von 3.Flamingos sind das Symbol der Proteste, da sie die Gebiete beim geplanten Luxusresort als Brutplätze nutzen.
Bildquelle: Keystone/AP Photo/Hameraldi Agolli.
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Diese Unzufriedenheit sei auch in anderen Ländern der Region verbreitet. Die Staaten des Balkans demokratisierten sich erst in den letzten Jahrzehnten. Die mit dem Prozess verbundenen Erwartungen haben sich vielerorts nicht erfüllt.
Politik als schmutziges Geschäft
Die Parteien betrachteten den Staat als Selbstbedienungsladen: «Posten werden unabhängig von Kompetenzen an Parteimitglieder verteilt.» Hinzu kommt die allgegenwärtige Korruption.
Als Folge sehen viele in der Politik ein schmutziges Geschäft, in dem die Akteure vor allem auf den eigenen Vorteil aus sind. Regierung und Opposition werden dabei in einen Topf geworfen. Die Hoffnung auf Wandel durch Wahlen haben viele verloren. Auch deshalb entscheiden sich in allen Balkanländern viele für die Auswanderung.
Eine Übergangsregierung soll es richten
Trotzdem glaubten die Menschen in diesen Ländern weiterhin an die Demokratie, betont Bieber, nur die gegenwärtige Form lehnten sie ab. Dies zeigt sich nicht zuletzt an den Protesten.
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Bild 1 von 3.Menschen demonstrieren in Belgrad gegen die Regierung. Die Proteste werden von serbischen Studentinnen und Studenten angeführt. (23.5.2026).
Bildquelle: Keystone/AP Photo/Armin Durgut.
Bild 2 von 3.Ausgelöst hatte die Protestbewegung der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024.
Bildquelle: REUTERS/Uros Arsic.
Bild 3 von 3.Die Studierenden, die die Kundgebungen anführen, kreiden das Unglück mit 16 Toten der Korruption der Vucic-Regierung an.
Bildquelle: KEYSTONE/EPA/ANDREJ CUKIC.
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In Tirana wie auch in Belgrad fordern die Menschen einen Neustart mithilfe einer Übergangsregierung, die der Korruption ein Ende setzen soll. «Die Alternative wären Experten», sagt eine Frau in Tirana.
Wie schafft man einen Übergang von einem System, in dem eine Partei die ganzen Institutionen dominiert und es keine politischen Alternativen gibt?
Ähnlich klingt es in Serbien. Mit eigenen Wahllisten, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, wollen die Studierenden die Regierung an der Urne herausfordern. «Die Studierendenliste wäre ein Jahr an der Macht. So sollen die Voraussetzungen für faire und freie Wahlen geschaffen werden», erklärt Aleksandar.
Dahinter stecke die etwas naive Vorstellung einer politisch neutralen Technokratenregierung, so Südosteuropaexperte Bieber. Es sei ein Versuch, die allgegenwärtige Dominanz der jeweils regierenden Partei zu durchbrechen: «Wie schafft man einen Übergang von einem System, in dem eine Partei die ganzen Institutionen dominiert und es keine politischen Alternativen gibt?»
Ob der Plan aufgeht, ist fraglich. Doch selbst, wenn es tatsächlich zum Machtwechsel kommt – ganz ohne Zusammenarbeit mit politischen Parteien dürfte es schwierig werden.
