
Dominoeffekt befürchtet: Trump-Luxusresort spaltet Albanien
Mitten in einem albanischen Naturschutzgebiet soll ein Luxusresort für Urlauber entstehen. Laut Experten droht ein Dominoeffekt für die gesamte Adriaküste.
Tirana – Flamingos, Mönchsrobben, Meeresschildkröten – und mitten drin: Bagger. Ende Mai rollten die Maschinen an Albaniens Adriaküste, rissen Dünen auf und ebneten Wege für das wohl umstrittenste Bauprojekt des Jahres. Dahinter stecken zwei bekannte Namen: Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner, Tochter und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Ivanka Trump entdeckte die albanische Insel Sazan nach eigenen Angaben bei einem Schwimmstopp während einer Yacht-Tour mit Freunden.

Jetzt soll in dem geschützten Bereich um die Insel sowie im Küstengebiet rund um die Vjosa-Narta-Lagune bei Zvernec eine Luxus-Ferienanlage für bis zu 10.000 zahlungskräftige Gäste entstehen. Ähnliche Pläne gibt es auch auf Sardinien. In Albaniens Hauptstadt Tirana kommt es deshalb seit Wochen zu Protesten. Während das Megaprojekt zunächst innehalten muss, haben erste Erkundungsarbeiten bereits große Schäden hinterlassen, mahnen Umweltschützer.
„Was sie getan haben, ist illegal“ – Umweltschützer wüten nach Bauarbeiten an Naturjuwel
Reifenspuren im Sand, umgeknickte Bäume, aufgeschütteter Schotter: Das Naturschutzgebiet Pishe Poro-Narta an der albanischen Adriaküste trägt noch immer die Wunden, die Bagger vor knapp einem Monat hinterlassen haben. Dort, wo Flamingos brüten und Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, wurde für das Luxusresort gerodet und planiert – und das alles ohne die erforderliche Baugenehmigung oder Umweltprüfung. Hotels, Villen, ein Yachthafen. Albaniens Ministerpräsident Edi Rama sagte erst im Juni selbst noch, dass es bisher weder für Sazan noch für Zvernec Bauanträge gebe.
Doch die „vorbereitenden“ Arbeiten, die ohne eine Baugenehmigung durchgeführt wurden, haben laut Anwohnern und Umweltexperten unauslöschliche Spuren hinterlassen, zeigt ein Bericht von Balkan Insight. Die Umweltorganisation PPNEA hat die Schäden vorläufig dokumentiert: Mehr als sieben Kilometer neue Wege seien in das Schutzgebiet geschlagen, mehr als sieben Hektar Land verändert worden. Betroffen seien mindestens fünf Habitattypen des Natura-2000-Netzwerks – darunter EU-Prioritätslebensräume. Eine Betonbrücke wurde über einen Verbindungskanal zwischen Lagune und Meer gebaut, der Wasserfluss war tagelang unterbrochen.
Zydjon Vorpsi, Leiter für Politik und Interessenvertretung bei PPNEA, ist laut Balkan Insight unmissverständlich: „Was sie getan haben, ist illegal. Die Eingriffe haben das Schutzgebiet beschädigt und irreversiblen Schaden an seinen Lebensräumen verursacht.“ Laut Umweltschützern besonders gravierend: Die Arbeiten begannen mitten in der Brutsaison der Vögel und zu Beginn der Eiablagephase der Meeresschildkröten. Dutzende Fahrzeuge, Bagger und Hunderte Arbeiter vertrieben die Tiere aus ihrem Lebensraum.
Dominoeffekt an albanischer Adriaküste befürchtet: Proteste in Hauptstadt weiten sich aus
Die Stiftung EuroNatur schlug schon 2024 Alarm: Geschäftsführer Gabriel Schwaderer sprach von einem „Desaster für Albaniens Natur“, sollten die Pläne umgesetzt werden. Die Stadtplanerin Doriana Musai warnt Balkan Insight zufolge vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Vorbereitende Baumaßnahmen schafften vollendete Tatsachen, die spätere Korrekturen nahezu unmöglich machten. „Es sieht so aus, als ob Zvernec das Modell ist, das, wenn es einmal erlaubt wird, einen Dominoeffekt für den Bau entlang der gesamten geschützten Adriaküste auslösen wird“, so Musai.

Und für die Bewohner von Zvernec geht es um mehr als Naturschutz. „Das Land ist uns heilig“, sagt eine 60-jährige Einwohnerin laut dem Onlineportal. „Was sie tun, hat uns Angst gemacht. Es hat uns erschreckt.“ Die Angst, den Zugang zur Küste und zum eigenen Land zu verlieren, treibt sie auf die Straße – gemeinsam mit Tausenden in der Hauptstadt Tirana, wo seit Wochen demonstriert wird. Das Symbol der Proteste: der Flamingo. Den Protestierenden geht es längst nicht mehr nur um das Megaprojekt am Meer.
Die Proteste haben sich zu einer breiteren Bewegung gegen Korruption, steigende Lebenshaltungskosten, Probleme im Gesundheitswesen, niedrige Renten und fehlende Perspektiven für junge Menschen ausgeweitet. Auch im Ausland lebende Albaner reisten zu den Kundgebungen an. „Albanien hat mit einem hohen Maß an Korruption zu kämpfen, die sich in der Privatisierung und dem Verschenken von Land, Stränden, Tälern und Flüssen äußert“, sagt Arben Kola, einer der Pioniere der Proteste im Adrialand, der Nachrichtenagentur AP. Albaniens Antikorruptionsstaatsanwälte haben bereits eine Untersuchung zu dem Vorhaben eingeleitet.
Rücktrittsforderungen weist Rama indes zurück. Laut ihm geht es den Protestierenden weniger um den Schutz der Natur, sondern viel mehr um die Personen hinter dem Projekt „Die Welt erwachte nicht wegen des Schicksals von Narta, sondern wegen des Namens Kushner und dem Schatten von Trump“, so Rama laut AFP. (Quellen: dpa, afp, Balkan Insight, AP, EuroNatur) (jm)
