EU-Beitrittskandidat: Albanien will Erneuerbare ausbauen
Laut Albaniens Energieministerin Belinda Balluku haben private Projektentwickler in den vergangenen Jahren 1,5 Milliarden Euro vor allem in Photovoltaik- und Windkraftprojekte investiert. Gegenwärtig verfüge ihr Land über eine PV-Kapazität im Stromnetz von 700 Megawatt zuzüglich von 400 Megawatt vor allem von industriellen Prosumenten.
Im September 2024 hat die französische Gesellschaft Voltalia ihren bei Karavasta errichteten Solarpark ans Netz genommen. Mit seiner Kapazität von 140 Megawatt ist er der größte auf dem Westbalkan. Im vergangenen April wurden zudem die Photovoltaikparks Sunny Side Solar mit einer Leistung von 100 Megawatt und Spy Blue 2 mit 50 Megawatt in Betrieb genommen. Für die kommenden fünf Jahre erwartet Ministerin Balluku eine kombinierte Kapazität von Solar- und Windenergie von rund 1,5 Gigawatt.
Noch keine Windenergieanlage in Betrieb
Doch momentan dreht sich in ihrem Land noch kein Windrad. Mitte Januar 2026 hat ihr Energieministerium dem Projektentwickler CWP Europe aber die Genehmigung zur Errichtung eines 600-MW-Windparks im nordalbanischen Tropoja erteilt. Er soll binnen Jahresfrist ans Netz gehen. Die von dem Bulgaren Dimitar Enchev geführte CWP Europe verfolgt in Albanien ein weiteres Windkraftprojekt mit 290 Megawatt geplanter Leistung. Sie zählt eigenen Angaben zufolge mit einem Portfolio an Windkraft über 6 Gigawatt und Photovoltaik über 1 Gigawatt zu den führenden Projektentwicklern in Südosteuropa.
Der heute in Bulgarien tätige PV-Entwickler Uwe Stöhr kennt aus eigener Erfahrung die Verhältnisse in Albanien. „Der aufgrund des boomenden Absatzes an E-Autos massiv ansteigende Strombedarf wird künftig mit Hydroenergie nicht mehr zu decken sein“, sagt er. Der Dresdner Ingenieur begrüßt den Verzicht der albanischen Regierung auf das Wasserkraftwerk im Vjosa-Tal, habe das Land doch „mehr als genug Alternativen zur naturzerstörenden Hydroenergie“.
Auf landwirtschaftlichen Nutzflächen hält er Agri-PV für möglich und die zahlreichen, zum Teil noch während des Sozialismus angelegten künstlichen Wasserflächen eigneten sich für Floating-PV. „Dann können die Wasserreservoirs sowohl als Pumpspeicherkraftwerke als auch als PV-Parks genutzt werden. Tagsüber kann mit dem Strom aus Solarenergie das Wasser hochgepumpt werden und wenn die Sonne nachts nicht scheint, ist die Energie der Wasserkraft zu nutzen“, erklärt Stöhr.
Im gebirgigen Norden des Landes sieht er gute Möglichkeiten für Windkraft- und Photovoltaik. „Werden auf den unbewachsenen Berghängen Photovoltaikanlagen installiert, gehen keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verloren“, so Stöhr. Frank Stier
