
Falscher Kontext – Video zeigt spanische Fußballfans, nicht Protest in Albanien
Im Zusammenhang mit Protesten in Albanien gegen ein Immobilienprojekt an der Adria-Küste verbreiten Social-Media-User derzeit ein Video. In dem Clip läuft eine große Menschenmenge auf einer Straße, auch ein Strand und das Meer sind zu erkennen. Aber zeigen die Bilder wirklich aktuelle Proteste in Albanien?
Bewertung
Falscher Kontext. Der Clip ist in der nordspanischen Stadt A Coruña entstanden und zeigt Fußballfans bei einem Fanmarsch.
Fakten
Mit Hilfe mehrerer Bilderrückwärtssuchen lassen sich Beiträge mit dem Clip in besserer Auflösung finden. Dies führt zu einem Post auf der Plattform X vom 31. Mai 2026. Der Beitrag stammt von einem Account, der Nachrichten zum spanischen Fußballklub Deportivo La Coruña veröffentlicht.
Ende Mai machte der Klub mit dem Aufstieg die Rückkehr nach acht Jahren in die höchste spanische Spielklasse La Liga perfekt. Die Fans feierten dies und zogen zum letzten Spieltag am 31. Mai mit einem Fanmarsch zum Stadion, wie Medien berichteten.
In dem Video mit höherer Auflösung lässt sich erkennen, dass viele Menschen entsprechend blau-weiße Fußballtrikots mit den Farben des Klubs tragen. Auch ein Abgleich mit Aufnahmen bei Online-Kartendiensten bestätigt: Der Clip ist auf einer Straße in der spanischen Stadt A Coruña entstanden. Der begrünte Kreisverkehr und Gebäude, die im Hintergrund zu sehen sind, stimmen überein.
Proteste gegen Bauprojekt von Trump-Schwiegersohn
Das Video wurde also nicht in Albanien aufgenommen und zeigt folglich nicht die aktuellen Proteste dort. Seit Ende Mai demonstrieren Menschen gegen ein Immobilienprojekt an der Adria-Küste, hinter dem eine Firma des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, steht. Naturschützer befürchten, dass die geplante Errichtung von Luxushotels, Villenanlagen und Freizeiteinrichtungen das sensible Ökosystem des Naturschutzgebietes um die Lagune von Narta im Delta des Flusses Vjosa, einem der wichtigsten Feuchtgebiete in Albanien, nachhaltig beschädigen könnte.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama hält die Proteste in seinem Land unterdessen für fehlgeleitet. Die Demonstranten gingen von falschen Informationen aus, sagte der Regierungschef der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Die Demonstrationen haben sich Berichten zufolge inzwischen ausgeweitet und sollen sich zunehmend auch gegen die Regierung von Ministerpräsident Rama richten. Teilnehmer sollen den Behörden Korruption vorwerfen und den Rücktritt des Regierungschefs fordern.
(Stand: 22.6.2026)
