Punë në Gjermani

Flamingos und Widerstand: Symbol der Protestbewegung in Zvernec


In Albanien geht die «Flamingo-Revolution» gegen die Regierung unverdrossen weiter. Im Dorf Zvernec, wo die Vögel leben, ist man stolz auf die Widerstandsfähigkeit der Flamingos wie der Demonstranten.

Adelheid Wölfl

Protestierende halten Plakate in Form von Flamingos hoch. Die Demonstrationen in Tirana richten sich gegen Pläne der Regierung und von Investoren, angeführt von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, die Luxus-Resorts in einem Naturreservat im Süden Albaniens errichten wollen.

Florion Goga / Reuters

Revolutionen haben ihre Symbole, und in Zvernec, diesem Dorf im Süden Albaniens, das auf einem schmalen Streifen Land zwischen der Adria und einer Lagune liegt, da haben sie Flamingos. Und die lieben sie. «Jeder Sonnenuntergang erstrahlt hier in rosafarbenen Spiegelungen», sagt Anila Gashi, die in Zvernec lebt und gern an der Lagune steht, um zu schauen, wie die Flamingos in Massen durch das Wasser staksen.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Seit Ende Mai ist der Flamingo zum Hoffnungstier der Albanerinnen und Albaner geworden, die dagegen protestieren, dass Oligarchen und Investoren mithilfe der Regierung Luxus-Resorts an die Küste bauen wollen und damit den Lebensraum der rosafarbenen Tiere zerstören, die bei Zvernec durch die 45 Quadratkilometer grosse Lagune waten. Demonstriert wird anderswo, in der 160 Kilometer entfernten Hauptstadt Tirana vor allem. Ein riesiger flauschiger Vogel aus echten Federn wird bei jeder Demo von mehreren Leuten getragen. Die Flamingo-Revolution bringt die Regierung von Edi Rama ziemlich unter Druck. Aber im beschaulichen Zvernec ist man stolz auf den Phoenicopterus roseus.

Denn je länger der Aufstand anhält, umso mehr sehen die Leute im Dorf Gemeinsamkeiten zwischen den Flamingos und den Protestierenden. «Sie wirken ausserordentlich zart, fast unwirklich, und doch sind sie bemerkenswert widerstandsfähige Vögel, die an salzige und alkalische Feuchtgebiete angepasst sind, in denen nur wenige andere Arten gedeihen können», sagt der Hydrobiologe Olsi Nika, der Besuchern die Lagune in Zvernec zeigt.

Flamingos pflegen Gemeinschaftssinn und sind sanftmütige, zutiefst soziale Tiere. Sie fressen, ruhen, reisen und brüten gemeinsam, ihre Kolonien bestehen oft aus Tausenden oder Zehntausenden Individuen. Auch die Demonstranten in Tirana wissen, dass sie sich nur durchsetzen können, wenn sie zusammenbleiben. Trotz ihren sehr unterschiedlichen Positionen von links bis rechts.

Beim «Marching» laufen die Wasservögel zu Tausenden mit vorgestreckter Brust in eine Richtung. Die Demonstranten auf der Strasse tun es ihnen gleich, ändern auch plötzlich gemeinsam die Richtung, etwa wenn sie kurzerhand beschliessen, vor die Polizeibehörde zu ziehen, um Verhaftete zu unterstützen.

Wie die Vögel müssen die Flamingo-Revolutionäre Kraft sparen. Die Flamingos in Zvernec stellen sich dafür auf ein Bein, ihre Gelenke rasten ein, so dass sie ohne Muskelkraft Haltung wahren können.

Standhaftigkeit, innere Ausgewogenheit und Geduld brauchen auch die Demonstranten. Sie wissen, dass sie bis zum Herbst trotz der Hitze auf der Strasse ausharren müssen. Der Zvernec-Führer Nika meint: «Die Symboltiere der Revolution haben sich von der Lagune ins nationale Bewusstsein gewagt und sind zum Symbol für friedlichen Widerstand, kollektive Würde und den Schutz unseres gemeinsamen Naturerbes geworden.»

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

Ester Mottini

Es scheint fast, als ob der Bürgersinn der Ukrainerinnen und Ukrainer die Bevölkerung anderer Länder des ehemaligen Ostblocks dazu inspiriert, sich gegen die korrupte Elite in ihrem Land zu wehren:

Wie die Abwahl Orbans in Ungarn ist die ‘Flamingobewegung’ in Albanien ein ermutigendes Zeichen, dass sich auch diese Länder zu funktionierenden Demokratien entwickeln – zum Wohl ihrer Bevölkerung.

Langfristig hat Putin mit seinem rigiden rückwärtsgewandten Machtverständnis keine Chance – das freiheitliche Gedankengut in Europa hingegen schon – das stimmt zuversichtlich.



Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *