
Grünen-Politiker: In Albanien sind die Umweltproteste zu einer Rechtsstaat-Bewegung geworden
Mit welchen Eindrücken kommen Sie aus Albanien zurück?
Paulus: Mich hat beeindruckt, wie friedlich und breit die Protestbewegung ist. Dort demonstrieren Familien mit Kindern, junge und ältere Menschen gemeinsam. Von den Gewalttätern, von denen die Regierung spricht, war nichts zu sehen. Mein Eindruck ist, dass der Protest längst weit über den Naturschutz hinausgeht. Das Bauprojekt im Naturschutzgebiet war zwar der Auslöser. Entscheidend war aber, dass ein privates Unternehmen einfach so ein großes Gebiet absperrte, Bauern nicht mehr zu ihren Tieren und Fischer nicht mehr zu ihren Booten kamen und friedliche Demonstrierende von privatem Sicherheitspersonal angegriffen wurden, während die Polizei zusah. Das war für viele Menschen der Punkt, an dem das Fass überlief.
Freund: Es waren sehr eindrucksvolle Tage. Viele Menschen sind tief enttäuscht und empört darüber, dass die Trump-Familie ihre Finger so tief im Spiel hat. Dass die Tochter und der Schwiegersohn des US-Präsidenten offenbar auf einer Insel ihren Honeymoon verbracht haben und sie jetzt haben wollen, um dort Luxushotels zu bauen, empfinden viele Menschen als Skandal. Ebenso, dass Trump offenbar selbst zum Hörer gegriffen hat und bei der albanischen Regierung Sonderregeln verlangt hat – und dann der Naturschutz so massiv abgebaut wurde, wo man vorher so stolz darauf war, eine so große Fläche der Natur unter Schutz gestellt zu haben.
