Immobilienprojekt in Albanien: Eine Insel für Ivanka Trump
ap/afp | Der albanische Ministerpräsident Edi Rama hält trotz heftiger Proteste an einem Immobilienprojekt an der Adria-Küste fest. An dem Luxusprojekt auf einer Adria-Insel ist eine Firma des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, beteiligt. Rama wies in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP Einwände von Umweltschützern als unbegründet zurück. Das Projekt werde die großen Investoren ins Land locken, sagte der Regierungschef.
Das Luxusprojekt, das mit Trumps Tochter Ivanka und ihrem Ehemann Jared Kushner in Verbindung steht und dessen Kosten auf rund vier Milliarden Euro geschätzt werden, besteht aus zwei Teilen: einer Bebauung im Gebiet der Narta-Lagune, einem Naturschutzgebiet, und einem kleineren Resort auf der nahe gelegenen Insel Sazan, einem unbewohnten ehemaligen Militärstützpunkt aus der Zeit des Kommunismus. Eine mit Kushner verbundene Investmentfirma hat für das Projekt von den albanischen Behörden einen besonderen Investorenstatus erhalten. Das Projekt ist deswegen in Albanien hoch umstritten. Zuletzt nahmen die Proteste dagegen zu.
Erst am vergangenen Samstag hatten in dem Naturschutzgebiet an der albanischen Küste Hunderte Menschen gegen die Pläne für ein Luxus-Ferienresort protestiert. Dem Plan zufolge ist die Umwandlung der unbewohnten Insel Sazan in einen glanzvollen Urlaubsort vorgesehen.
Umweltschützer aus dem ganzen Land und Anwohner folgten einem Aufruf von Umweltschutzorganisationen und versammelten sich in der Lagune Vjosa-Narta rund 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tirana, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.
Abends vor dem Amtssitz des Premiers
„Dieses ganze Meeresgebiet ist Schutzgebiet. Es zu zerstören wäre verheerend für die Artenvielfalt“, sagte die Finanzangestellte Emiljona Puja. Die Demonstrierenden versammelten sich an einem Strand, einige schwenkten die rote albanische Flagge, andere trugen aufblasbare Flamingos, das Symbol der Protestbewegung, und riefen „Streicht das Projekt“.
Seit mehr als einer Woche versammeln sich in Tirana jeden Abend Tausende Menschen vor Ramas Amtssitz, um gegen die aus ihrer Sicht geplante Zerstörung ganzer Gebiete des Naturschutzgebietes und die Entwicklung eines Luxus-Urlaubsorts zu protestieren. Das Projekt soll Hotels, Wohnungen, Villen und einen Jachthafen umfassen. Die Lagune an der südlichen Adriaküste ist ein bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos. „Dieses Gebiet ist einer der wichtigsten Orte für Artenvielfalt im Mittelmeerraum“, sagte Denisa Kasa von der Albanischen Vereinigung zum Schutz der Umwelt (PPNEA).
Die albanische Regierung argumentiert, das Projekt sei für das ehemalige kommunistische Land von grundlegender Bedeutung. Albanien strebt den Einstieg in den Markt für Luxustourismus und eine EU-Mitgliedschaft an. Ministerpräsident Rama erklärte am Dienstag in dem Interview, dass noch keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet worden sei, obwohl bereits Rodungsarbeiten in einem Naturschutzgebiet begonnen haben. Die albanische Antikorruptionsbehörde hat Ermittlungen zu dem Projekt aufgenommen. Die Regierung gibt an, das Land sei in Privatbesitz. Doch die Angaben zum Verlauf der Privatisierung sind widersprüchlich.
„Absolut atemberaubend“
Rama sagte, die Idee zu dem Projekt sei zufällig entstanden. Er habe in Südalbanien mit Kushner, dessen Ehefrau Ivanka Trump und Freunden zu Abend gegessen. Diese hätten auf dem Weg nach Montenegro im Hafen von Durrës einen Zwischenstopp zum Auftanken eingelegt. Monate später sei Kushner am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos auf ihn zugekommen und habe Interesse an Investitionen in Albanien geäußert. „Ihr Land ist absolut atemberaubend, und wir würden gerne nach einer Investitionsmöglichkeit suchen“, zitierte Rama Kushners Worte.
Für negative Reaktionen machte Rama teilweise Einmischung aus dem Ausland verantwortlich. So verwies er auf eine iranische Cyberkampagne gegen Albanien, die schon seit Längerem andauere. Albanien hatte Mitgliedern einer iranischen Oppositionsgruppe Unterschlupf gewährt. Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Rama wiegelt seit Wochen ab
Bereits vorigen Freitag hatte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama die Proteste heruntergespielt und erklärt, es gebe „keinen Grund zur Besorgnis“. „Wir können nicht über etwas diskutieren, das nicht existiert“, sagte er gegenüber Reportern in Montenegro, wo er am EU-Westbalkan-Gipfel teilnahm, auf die Frage nach den Protesten in seinem Land. Rama forderte die westlichen Medien auf, bei ihrer Berichterstattung „viel vorsichtiger“ zu sein. Das Projekt sei noch gar nicht genehmigt. Zudem seien „die besten Experten“ der Welt in die Planungen eingebunden. Es gehe darum, „etwas Einzigartiges zu schaffen“.
Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch den Tourismus anzukurbeln. Die Familie von Trump hat weltweit vielfach in Luxusprojekte investiert. Kritiker werfen Kushner und seiner Frau vor, die Präsidentschaft von Donald Trump für eigene Geschäfte zu nutzen.
