
Kanye West spaltet Albanien: Millionen-Zuschuss für Konzert
Die Regierung finanziert das Konzert von Ye angeblich mit umgerechnet ca. vier Millionen Euro Steuergeld.
Albaniens Regierung hält trotz wachsender Kritik daran fest, das geplante Konzert von Kanye West am Samstag, den 11. Juli, bei Tirana stattfinden zu lassen. Ministerpräsident Edi Rama verteidigte am Mittwoch (8. Juli) die Entscheidung, den Auftritt des US-Rappers mit umgerechnet rund vier Millionen Euro staatlich abzusichern. Der Auftritt soll am Samstag (11. Juli) stattfinden.
Rama stellte die Show in einem Pressetermin als wirtschaftliche Chance dar. Seiner Aussage nach hätten bereits Tausende Fans aus zahlreichen Ländern Tickets und Reisen gebucht. Ein Rückzug kurz vor dem Termin würde dem Image des Landes schaden, sagte der Regierungschef sinngemäß, so zitiert auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Albanien wolle sich als offenes Reiseziel präsentieren und von der internationalen Aufmerksamkeit profitieren.
Temporäres Stadion bei Tirana sorgt für zusätzliche Debatte
Für den Auftritt wurde nach Berichten lokaler Medien am Rand der Hauptstadt ein provisorisches Stadion errichtet. Der Veranstaltungsort liegt zwischen Tirana und Durrës und soll Zehntausende Besucher:innen aufnehmen können. Die Regierung spricht von einem touristischen Signal, Kritiker:innen sehen darin ein politisches Prestigeprojekt zur falschen Zeit.
Kanye West Stadium in Albania🇦🇱 almost done pic.twitter.com/XoExBWbJqD
— Kruja Chronicles (@FilteredZero) July 7, 2026
Ministerpräsident Edi Rama steht innenpolitisch unter Druck. Seit Wochen gibt es Proteste gegen seine Regierung, unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen und umstrittener Bauprojekte. Vor diesem Hintergrund wirkt die staatliche Unterstützung für ein XL-Konzert eines international umstrittenen Stars für viele Albaner:innen wie ein zusätzlicher Reizpunkt.
Kritik von Menschenrechtler:innen und jüdischer Gemeinde
Gegen den Auftritt von Ye formiert sich auch Widerstand von Menschenrechtsgruppen und Vertreter:innen der jüdischen Gemeinde. Sie werfen der Regierung vor, Kanye West trotz seiner wiederholten antisemitischen Ausfälle eine große Bühne zu geben. Der Streit dreht sich damit längst nicht mehr allein um öffentliche Gelder, sondern um die Frage, welche Künstler:innen ein Staat bewusst aufwertet.
Kulturminister Blendi Gonxhja wies laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Kritik zurück. Er erklärte, viele Menschen würden die Bedeutung des Events verkennen oder gar auf Fehlinformationen reingefallen sein. Die Regierung hält damit an ihrer Linie fest: Der Gig von Ye soll als internationales Kulturereignis gelesen werden, nicht als politische Billigung von Kanye Wests früheren Aussagen.
Kanye Wests rassistische und antisemitische Äußerungen
Kanye West, der seit Jahren unter dem Namen Ye auftritt, hat seine Karriere mehrfach durch rassistische, antisemitische und rechtsextreme Ansagen überschattet. Besonders seit 2022 lösten seine öffentlichen Aussagen breite Empörung aus. Er verbreitete antisemitische Stereotype, relativierte NS-Verbrechen und griff jüdische Menschen in Interviews und Online-Posts an.
Auch sein offenes Kokettieren mit Nazi-Symbolik wurde Teil seiner öffentlichen Selbstinszenierung. Ye äußerte Bewunderung für Adolf Hitler, trat in provokanten Kontexten mit rechtsextremen Codes auf und brachte später Merchandise mit Hakenkreuz-Motiv in Umlauf. Solche Aktionen wurden von jüdischen Organisationen, Musikerkolleg:innen und früheren Geschäftspartner:innen kritisiert und verurteilt.
Adidas beendete entsprechend 2022 die Yeezy-Partnerschaft, Gap zog Yeezy-Produkte aus dem Verkauf, Balenciaga trennte sich ebenfalls vom Rapper. Dazu kamen verlorene Agentur- und Medienverträge.
Ye hatte sich zuletzt öffentlich entschuldigt und erklärt, er wolle sich vom Antisemitismus distanzieren. Seine Reue wird jedoch skeptisch bewertet, da frühere Entschuldigungen stets von neuen Provokationen gefolgt waren.

