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Proteste gegen Trump-Resort an der Adria: Experten warnen vor Dominoeffekt


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Mitten in der Brutsaison rollen Bagger durch ein Naturschutzgebiet an der Adria. Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Ivanka Trump planen ein Milliardenprojekt.

Tirana – Wo Flamingos brüten und Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, haben Bagger tiefe Wunden in die Landschaft gerissen. An Albaniens Adriaküste, im Naturschutzgebiet Pishe Poro-Narta, dokumentieren Umweltschützerinnen und Umweltschützer seit Wochen die Folgen von Bauarbeiten, die ohne jede Genehmigung stattfanden. Verantwortlich für das umstrittene Projekt: Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und dessen Ehefrau Ivanka.

Narta-Lagune Albanien Adria Mittelmeer Proteste in Tirana Flamingo
In Albanien kommt es weiter zu Protesten gegen den Bau eines riesigen Luxusprojekts an der Adriaküste. (Collage) © Adnan Beci / AFP

Das geplante Luxusresort in Zvernec, rund 150 Kilometer südwestlich von Tirana, soll bis zu 10.000 Gäste beherbergen und vier Milliarden Dollar kosten. Kushner selbst will 1,4 Milliarden Dollar als „strategischer Investor“ beisteuern. Obwohl das Vorhaben vorerst pausieren muss, haben erste Erkundungsarbeiten bereits massive Schäden verursacht. In Albaniens Hauptstadt Tirana führt das Megaprojekt seit Wochen zu anhaltenden Demonstrationen.

Sieben Kilometer Schneisen durch geschütztes Gebiet

Die Umweltorganisation PPNEA hat die Schäden vorläufig erfasst: Mehr als sieben Kilometer neue Wege wurden in das Schutzgebiet geschlagen, mehr als sieben Hektar Land verändert. Betroffen sind mindestens fünf Habitattypen des Natura-2000-Netzwerks, darunter EU-Prioritätslebensräume. Eine Betonbrücke blockierte tagelang den Wasserfluss zwischen Lagune und Meer.

„Was sie getan haben, ist illegal. Die Eingriffe haben das Schutzgebiet beschädigt und irreversiblen Schaden an seinen Lebensräumen verursacht“, sagt Zydjon Vorpsi, Leiter für Politik und Interessenvertretung bei PPNEA, gegenüber Balkan Insight. Besonders brisant: Die Arbeiten begannen mitten in der Brutsaison der Vögel und während der Eiablage der Meeresschildkröten. Dutzende Fahrzeuge und Hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter vertrieben die Tiere aus ihrem Lebensraum.

Albaniens Regierungschef Edi Rama räumte im Juni selbst ein, dass weder für die Insel Sazan noch für das Küstengebiet bei Zvernec Bauanträge vorliegen. Dennoch verteidigt er das Vorhaben vehement. Solange er im Amt sei, werde das Projekt nicht eingestellt, zitieren ihn lokale Medien. Die Kritik bezeichnet er als „Hysterie“.

Expertinnen und Experten warnen vor gefährlichem Präzedenzfall

Die Stiftung EuroNatur schlug bereits 2024 Alarm, als die Pläne an die Öffentlichkeit gelangten. Geschäftsführer Gabriel Schwaderer sprach von einem „Desaster für Albaniens Natur“, sollten die Pläne umgesetzt werden. Die Stadtplanerin Doriana Musai warnt vor einem Dominoeffekt: Vorbereitende Baumaßnahmen schafften vollendete Tatsachen, die spätere Korrekturen nahezu unmöglich machten. „Es sieht so aus, als ob Zvernec das Modell ist, das einen Dominoeffekt für den Bau entlang der gesamten geschützten Adriaküste auslösen wird“, so Musai gegenüber Balkan Insight.

Zvernec Albanien Strand am Mittelmeer
Wird der Mega-Bau genehmigt, könnte es auf den Stränden des albanischen Zvernec bald schon wieder rumoren. © Adnan Beci/afp

Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Zvernec steht sogar noch mehr auf dem Spiel als der Schutz von Flamingos und Schildkröten. „Das Land ist uns heilig“, sagt eine 60-jährige Einwohnerin. „Was sie tun, hat uns Angst gemacht. Es hat uns erschreckt.“ Die Angst, den Zugang zur Küste und zum eigenen Land zu verlieren, treibt sie auf die Straße.

„Albanien steht nicht zum Verkauf“ und „Ivanka, geh nach Hause“ steht in Tirana auf Schildern der Protestierenden. Viele tragen rosa Pappflamingos. Der markante Vogel, der in den betroffenen Gebieten brütet, wird zum Symbol des Protests. Mittlerweile hat die Bewegung eine Dimension erreicht, die weit über den Naturschutz hinausgeht.

Aus Naturschutzprotest wird breite Antikorruptions-Bewegung

Die Proteste haben sich zu einer Bewegung gegen steigende Lebenshaltungskosten, Probleme im Gesundheitswesen, niedrige Renten, fehlende Perspektiven für junge Menschen und auch Korruption ausgeweitet. „Albanien hat mit einem hohen Maß an Korruption zu kämpfen, die sich in der Privatisierung und dem Verschenken von Land, Stränden, Tälern und Flüssen äußert“, sagt Arben Kola, einer der Pioniere der Proteste im Adrialand, der Nachrichtenagentur AP. Auch im Ausland lebende Albaner reisen zu den Kundgebungen an.

Die Menschen fordern den Rücktritt von Rama, der seit nunmehr fast 13 Jahren regiert. Die Behörden reagieren mit Strafverfahren gegen Dutzende Demonstrierende. Albaniens Antikorruptionsstaatsanwaltschaft hat indes aber bereits eine Untersuchung zu dem Bauvorhaben eingeleitet. (Quellen: dpa, afp, Balkan Insight, AP, EuroNatur) (jm)



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