
Proteste in Albanien gegen Luxusresort von Trump-Schwiegersohn
Jared Kushner ist unter den Investoren. Nun beantragte die Antikorruptionsbehörde Albaniens 20 Haftbefehle. Einige von ihnen könnten im Zusammenhang mit dem Luxusresort stehen.
Zvernec – Die Bauflächen in Zvernec gehören zum Naturschutzgebiet um die Lagune von Narta. Dass ausgerechnet dort das Luxusresort entstehen soll, treibt in Albanien seit zwei Wochen täglich Menschen auf die Straße. Die Demonstranten wollen mit ihrem Protest nicht nur das Projekt an sich stoppen, sondern auch den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama erreichen, der das Resort unterstützt. Rama weist die Kritik als „Hysterie“ zurück. Prominenter Investor in dem Projekt ist Jared Kushner, der Schwiegersohn und inoffizielle Berater des US-Präsidenten Donald Trump.

Die Kosten für das Luxusresort werden auf etwa 1,4 Milliarden US-Dollar beziffert, die Investition läuft laut AFP über Kushners Firma Atlantic Incubation Partners. Doch der Ort ist Heimat vieler Tiere: Die Lagune Vjosa-Narta an der südlichen Adriaküste liegt im Delta des Flusses Vjosa, einem der wichtigsten Feuchtgebiete in Albanien. Zugvögel und Flamingos nutzen die Lagune als wichtiges Rastgebiet. Slogans wie „Albanien ist nicht zu verkaufen“ oder „Ivanka, geh nach Hause“ standen auf Plakaten, in Anspielung auf Ivanka Trump, Kushners Ehefrau.
SPAK prüft illegale Investitionen im Zusammenhang mit Immobilien und Bauprojekten
Nun rückt das Resort allerdings aus einem anderen Grund in den Fokus. Die Staatsanwaltschaft für Korruption und organisiertes Verbrechen (Spak) in Albanien hat 20 Haftbefehle erlassen. Die albanischen Behörden gingen gegen ein mutmaßliches internationales Netzwerk für Kokainhandel und Geldwäsche vor, wie Radio Europa berichtete. Gerichte hätten die vorsorgliche Beschlagnahmung „mehrerer Vermögenswerte im Zusammenhang mit Verkaufskontrakten“ angeordnet, hieß es weiter.
Laut Anklage stehen einige der Beschuldigten im Verdacht, aus Straftaten stammende Einkünfte in Immobilien, Bauprojekte und Handelsunternehmen investiert zu haben. Diese Investitionen seien laut SPAK in Projekte in Tirana, Palasa, Himara sowie anderen Küstenregionen getätigt worden. In den Verträgen tauchen laut Berichten Initialen von Firmen und Personen auf, die mit Kushners Resort in Verbindung stehen könnten. Ein Fehlverhalten Kushners ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht belegt.
Luxusresort in Albanien: Proteste gegen Bauprojekt gehen weiter
Indes hat der umstrittene Bau des Luxusresorts an der Küste noch nicht begonnen. Premierminister Edi Rama verteidigt das Projekt aber vehement: Solange er im Amt sei, werde das Projekt mit Sicherheit nicht eingestellt, zitieren ihn lokale Medien. Für Albanien gibt es aus seiner Sicht nur ein Ziel: Das Land „zum attraktivsten Ziel für High-End-Tourismus in diesem Teil der Welt zu machen und zugleich eine netto positive Umweltentwicklung zu schaffen.“ Gemäß der derzeitigen Vision würde dies letztlich in etwa 25 Prozent mehr Bäumen und Grünflächen als heute münden, „zusammen mit messbaren Verbesserungen bei mehreren Biodiversitätsindikatoren“, schrieb der Premier in einem Beitrag auf der Plattform X.
Rama will Kushner als Investor also halten. Die Trump-Familie hat weltweit in zahlreiche Luxusprojekte investiert. Laut einem Bericht des Wall Street Journal sammelte Kushners Private-Equity-Firma Affinity Partners zuletzt auch Geld aus den Staatsfonds in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Demnach kamen so 3,1 Milliarden US-Dollar zusammen. Kritiker sehen darin allerdings einen Interessenskonflikt: Personen im engen Umfeld von Donald Trump profitieren von Geschäften mit ausländischen Regierungen. (Quellen: AFP, Wall Street Journal, X, Radio Europa) (bme)
