
Sazan in Albanien: Ivanka Trump und der teure albanische Traum im Meer
Ivanka Trump hat die Insel im Bikini gefunden. So erzählt sie es jedenfalls in einem ätherisch geratenen Internetauftritt, der nach Meersalz, Selbstverwirklichungslust und sehr, sehr viel Geld klingt.
Die Tochter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und ihr Mann Jared Kushner, der regelmäßig als Sonder-Emissär für seinen Schwiegervater und die eigene Investment-Firmenkasse um die Welt fliegt, arbeiten demnach an einem „unglaublichen Projekt im Mittelmeer“.

Man habe von einem Boot aus gebadet, sei hinübergeschwommen, hinaufgestiegen und „einfach überwältigt“ gewesen, schwärmt die 44-Jährige. Nun sollen „einige der größten lebenden Architekten unserer Zeit“ helfen, das Potenzial des Ortes zu heben – „mit viel Zurückhaltung und Sorgfalt, weil das Land so schön ist“.
Das Stück Land heißt Sazan. Es liegt vor dem albanischen Vlora, dort, wo Adria und Ionisches Meer ineinander übergehen. Es war lange Sperrgebiet, erst italienischer Vorposten, dann U-Boot- und Bunkerinsel des kommunistischen Albanien, später ein halb vergessenes Militärmuseum unter freiem Himmel. Zivilisten kamen kaum hin. Es gibt alte Kasernen, weit verzweigte Bunker-Anlagen, Munitionsreste und mediterrane Verwilderung, die auf Werbebildern gern „unberührt“ genannt wird.
Ivanka Trump möchte Nobel-Resort in Albanien eröffnen
Die Insel selbst ist nur etwa 5,7 Quadratkilometer groß, doch ihr Symbolwert ist größer. In der Karaburun-Sazan-Meeresparkzone wachsen seltene Pflanzen; die Buchten dienten lange der Marine. Was für Investoren eine riesige Projektionsfläche ist, ist für Historiker ein Archiv des Kalten Krieges und für Naturschützer ein Restbestand mediterraner Wildnis.
Aus diesem Ort soll nun, so das Ehepaar Kushner seinen Willen bekommt, ein Luxus-Resort werden, eine Art „Club Med Trump“. Die albanische Regierung hat Kushners Firma Atlantic Incubation Partners den Status eines „strategischen Investors“ verliehen. Die Investition wird mit 1,4 Milliarden Euro beziffert; Insider sprechen von vier Milliarden. Nach Regierungsunterlagen geht es auf Sazan um 0,45 Quadratkilometer Bebauung; der Staat soll über eine gemeinsame Gesellschaft beteiligt sein. Ministerpräsident Edi Rama verspricht Arbeit, Glanz und den Sprung Albaniens in die Liga der teuren Mittelmeer-Destinationen. Man könnte sagen: Monaco II, auferstanden aus Bunker-Ruinen.

Strandbesucher auf der Insel Sazan.
© iStock | kim willems
„Ivanka – geh nach Hause“ – Albaner protestieren
Problem dabei: Die Menschen im EU-Erwartungsland sind mehr als skeptisch. Tausende Albaner zogen am Dienstag vor den Amtssitz von Premier Rama. „Die Nation steht nicht zum Verkauf“, „Ich will Albanien nicht wie Dubai“, „Ivanka – geh nach Hause“, stand auf den Plakaten.
Die Proteste entzündeten sich nicht nur an Sazan, sondern auch an den mit Kushners Plänen verknüpften Flächen bei Zvernec und Pishe Poro in der Vjosa-Narta-Landschaft. Dort stehen Lagune, Dünen, Schildkrötenstrände, Flamingos, Pelikane und Mönchsrobben gegen Baggerlogik und Hotelphantasien. Anwohner und Umweltgruppen sprechen von einer Privatisierung der Küste. Auf einem Plakat stand: „Vlora gehört Albanien! Nicht der Mafia, nicht der Oligarchie.“
Streit am Strand: Aktivisten und Sicherheitsleute geraten aneinander
Ende Mai wurde der Streit rauer. Nachdem Stacheldrahtzäune den Zugang zu einem Strand blockierten, kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und privaten Sicherheitsleuten. Videos zeigen, wie Demonstranten geschlagen und weggezerrt werden.
Die Polizei leitete Verfahren gegen mehrere Beteiligte ein. Regierungschef Rama verteidigte das Vorhaben vehement und sagte, ein endgültiger Antrag liege noch nicht vor; auch die Umweltverträglichkeitsprüfung sei bisher nicht abgeschlossen.

Die Insel selbst ist nur etwa 5,7 Quadratkilometer groß.
© AFP | ADNAN BECI
Medienrecherchen beschreiben indes hinter dem Zvernec-Projekt ein Geflecht aus Offshore-Strukturen, anonymen wirtschaftlich Berechtigten, alten Eigentumsstreitigkeiten und Figuren mit fragwürdiger Vergangenheit. Die albanische Spezialstaatsanwaltschaft prüft inzwischen Änderungen am Schutzstatus und an Eigentumsfragen der Vjosa-Narta-Zone. Wurde 2024 Natur erst herabgestuft, damit später gebaut werden kann?
Auch die Europa-Zentrale in Brüssel schaut hin. Für Albaniens EU-Beitritt, Kapitel Umwelt, sei entscheidend, dass künftige Naturgebiete geschützt und Lebensräume nicht verschlechtert werden, heißt es dort. „Wer europäische Regeln will, sollte Schutzgebiete nicht wie Reserveflächen für Fünf-Sterne-Träume behandeln“, sagen mit dem Thema vertraute Experten.

Luxus-Selbstversorger-Refugien für den Ernstfall?
Kushners Balkan-Geschäfte sind ohnehin politisch aufgeladen. Seine Investmentfirma Affinity Partners verwaltet Geld aus dem Nahen Osten. In Serbien wollte Kushner ein bombardiertes Armeeareal in Belgrad entwickeln; dort wurde das Projekt von Protesten und Fragen zur Rechtmäßigkeit eingeholt. In Albanien kommt hinzu, dass Trumps Schwiegersohn privat verdient, während sein Schwiegervater im Weißen Haus sitzt. Kushner und die albanische Regierung weisen den Verdacht politischer Bevorzugung zurück. Der Schwiegersohn des US-Präsidenten sieht sich als Entwicklungshelfer, der Gutes tut.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Für Edi Rama ist das Projekt ein Versprechen: Albanien soll nicht länger billiger Geheimtipp sein, sondern Premium-Adresse. Für viele Gegner ist es ein Symbol für das Gegenteil: ein armes Land, das seine schönsten öffentlichen Räume den Reichsten der Welt überlässt, die sich dort womöglich abgeschiedene Luxus-Selbstversorger-Refugien für den Ernstfall schaffen. Sazan hat über 3000 aus Kriegszeiten stammende Tunnelanlagen, die bombensicher sein sollen.
