
Sazan-Insel: Jared Kushners Luxusprojekt entfacht Proteste in Albanien

Wo die Adria auf das Ionische Meer trifft, liegt Sazan. Einst trainierten hier Soldaten, nun kommen einzelne Touristen. Ein geplantes Bauprojekt von Jared Kushner und Ivanka Trump treibt Tausende Menschen auf die Strassen.
Sazan ist winzig und unbewohnt, liegt aber strategisch günstig. Kein Wunder, dass Albanien hier vor Jahrzehnten eine Militärbasis errichtete. Heute findet man auf ihr nur mehr verlassene Gebäude, zahlreiche Bunker und neuerdings auch: Touristen.
Betrachtet man die Insel von oben, wirkt sie immer noch sehr verlassen. Einst unterhielt Italien hier einen Militärstützpunkt, nachdem es die Insel während des Ersten Weltkriegs 1914 besetzt hatte. 1947 ging die Kontrolle über Sazan auf Albanien über. Das kommunistische Land liess sowjetische Soldaten auf die Insel – und die bauten hier eine U-Boot-Basis.
Die Überreste der militärischen Nutzung sind bis heute sichtbar: Auf der nur fünf Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Insel stehen noch ehemalige Militärgebäude, Kasernen, ein Krankenhaus, eine Schule sowie zahlreiche Bunker. Aus Angst vor einer Invasion liess der damalige Staatsführer Enver Hoxha, der Albanien mit eiserner Hand regierte, landesweit Hunderttausende kleine Bunker und Befestigungsanlagen bauen – auch auf Sazan. Bis heute ragen sie vielerorts aus dem Boden.
Für Zivilisten war die Insel lange Zeit unzugänglich. Erst 2015 wurde sie über organisierte und beschränkte Bootsausflüge für Touristen geöffnet. Seither kann man die Insel mit dem Boot von der Hafenstadt Vlora aus erreichen. Im Sommer 2021 entdeckten Ivanka Trump, die Tochter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, und ihr Ehemann Jared Kushner die Insel. Sie hätten die Insel beim Schwimmen gefunden, erzählte sie in einem Podcast.
Jetzt soll auf der Insel ein exklusives Touristenziel entstehen. Geplant ist ein 45 Hektaren grosses Luxusresort mit hochwertigen Residenzen, Gastronomie- und Freizeitangeboten. Erste Visualisierungen zeigen terrassenförmig angelegte Luxusvillen sowie Anlagen, die einem Jachthafen ähneln. Die unternehmerisch gesinnte Führung des Landes stimmte dem Vorhaben zu. Die Insel soll die Wirtschaft des Landes vorantreiben.
Ivanka Trump schwärmt in einem Podcast von David Senra über die Insel Sazan.
Die albanische Regierung stellte früh die Weichen für das Projekt. Im Schnellverfahren änderte sie ein Gesetz, damit in dem Nationalpark auf der Insel gebaut werden kann. Mit dem Gesetz 21/2024 wurden die Vorschriften gelockert, so dass Luxushotels der Fünf-Sterne-Kategorie und die dazugehörige Infrastruktur in geschützten Gebieten zulässig sind.
Hinter den umstrittenen Plänen, das weitgehend unberührte Naturgebiet mit einem Luxusprojekt zu bebauen, steckt die Firma Atlantic Incubation Partners LLC, die mit Affinity Partners verbunden ist. Die amerikanische Investmentgesellschaft sitzt in Miami und wurde 2021 von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump, gegründet.
Es ist nicht das erste Luxus-Grossprojekt der Trump-Familie am Balkan. Im Dezember 2025 wurde nach einem Korruptionsskandal der Bau eines Trump-Towers in der serbischen Hauptstadt Belgrad gestoppt. Dabei sollen Dokumente gefälscht worden sein, um den Denkmalschutz für das vorgesehene Baugelände aufzuheben. Darüber hinaus sind weitere Projekte in der Region geplant, etwa in der geschützten Küstenlandschaft Vjosa-Narta nahe dem Ort Zvernec im Süden Albaniens.
Excited to share some early design images for development projects we have been creating for the Albanian coast and downtown Belgrade. @nytimes @business pic.twitter.com/o0HIYLkZWV
— Jared Kushner (@jaredkushner) March 15, 2024
«Albanien steht nicht zum Verkauf»
Die Vorgänge um Kushners Projekt erzürnen die albanische Öffentlichkeit. Seit Tagen zieht es Tausende Menschen in Tirana und an der Südküste des Landes aus Protest gegen das Milliarden-Vorhaben auf die Strassen. Die Demonstranten skandieren dabei Parolen wie «Albanien steht nicht zum Verkauf!». Sie stellen die Herkunft der Gelder für den Kauf von Küstenland und die Rechtmässigkeit der entsprechenden Verfahren infrage.

Drohnenaufnahme von Demonstrierenden mit albanischen Flaggen bei einem Protest gegen das geplante Luxusresort am 10. Juni 2026 in Tirana.
Florion Goga / Reuters
Auch Dutzende Umweltorganisationen fordern den Stopp des Baus. Denn das Bauvorhaben ist in einem Naturschutzgebiet angesiedelt, das zahlreichen Wildtierarten eine Heimat bietet. Die Insel beherbergt eine der weltweit am stärksten bedrohten Meeresarten, die Mittelmeer-Mönchsrobbe, dazu Meeresschildkröten und Flamingos. Die rosafarbenen Tiere sind zum Symbol der Proteste geworden, weshalb manche die Bewegung als Flamingo-Revolution bezeichnen.
Der Ministerpräsident Edi Rama hält jedoch weiterhin an dem Projekt fest. «Solange ich hier bin, werden die Investitionen auf keinen Fall eingestellt», so Rama gegenüber Reuters.

Demonstration vor dem albanischen Konsulat in New York am 6. Juni 2026. Die Protestierenden unterstützen die Proteste in Albanien gegen das geplante Luxus-Tourismusprojekt.
Dritan Haxhia / Imago
