
Trump-Familie greift nach Insel – Details über dubiose Geschäftspartner
Eine Mittelmeer-Idylle wie gemalt: Nur wenige Badegäste sonnen sich am wilden Adria-Strand, stattdessen klettern Schildkröten über Steine, Turmfalken ziehen ihre Bahnen. „Manchmal tanzen hier Delfine auf den Wellen“, erzählt der Biologe Olsi Nika von der Organisation Eco Albaniaik, „ab und zu tauchen auch Haie auf“.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Landschaftsschutzgebiet ist einer der letzten unberührten Flecken an der albanischen Mittelmeerküste. Aber wie lang noch? Eine Investorengruppe unter maßgeblicher Beteiligung von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, will hier ein riesiges Luxusresort bauen. Auch eine Protestwelle in Albanien – die sogenannte Flamingo-Revolution – hat die Pläne bislang nicht stoppen können. Aber jetzt könnten Kushner und die anderen Investoren über dubiose Geschäftspartner stolpern, mit denen sie besser keine Deals gemacht hätten.
Kushner-Projekt gerät wegen Geldwäsche- und Fälschungsverdacht unter Druck
Bei Kushners umstrittenem Luxus-Projekt entwickelt sich aus einem Grundstücksgeschäft zunehmend ein Problem mit der Organisierten Kriminalität. Eine von den Investoren kontrollierte Gesellschaft zahlte Anfang 2026 mehr als 120 Millionen Dollar für Land auf der Halbinsel Zvërnec. Verkäufer war der in Miami lebende albanisch-amerikanische Geschäftsmann Artur Shehu. Wenige Wochen später beantragten albanische Sonderstaatsanwälte seine Festnahme. Die Antikorruptionsbehörde SPAK verdächtigt Shehu, zu einem internationalen Netzwerk gehört zu haben, das Kokain aus Südamerika nach Europa schmuggelte und Erlöse anschließend über Immobiliengeschäfte wusch.
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Gerichtsunterlagen sprechen von „ausreichenden Hinweisen“ auf seine Beteiligung am Drogenhandel. Shehu bestreitet sämtliche Vorwürfe. Sein Anwalt erklärt, sein Mandant sei weder Drogenhändler noch Urkundenfälscher. Besonders heikel für Kushners Entwicklergruppe ist die zweite Spur der Ermittlungen: SPAK prüft, ob Eigentumsnachweise für Teile des geplanten Resortgeländes gefälscht oder Grundstücksflächen künstlich vergrößert wurden. Mehr als 110 Millionen Euro aus dem Verkauf ließ ein Sondergericht vorsorglich auf einem Notarkonto einfrieren. Das Geld konnte damit zunächst nicht an Shehu ausgezahlt werden.

Bereits vor zwei Jahren wiesen Anwohner auf Eigentumsstreitigkeiten hin
Gegen Kushner, seine Frau Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten, oder die Käufergesellschaft selbst wird dabei bislang kein dezidiertes Fehlverhalten behauptet. Brisant ist jedoch, dass Warnsignale offenbar lange vor dem Kauf vorlagen. Einwohner von Zvërnec erklärten dem „Wall Street Journal“, sie hätten Kushners Seite bereits vor fast zwei Jahren schriftlich darauf hingewiesen, dass sie seit Jahrzehnten mit Shehu um das Land stritten. Das Gelände gehöre „dem Dorf und seinen Bewohnern“, schrieben sie. Trotzdem zog die Entwicklergruppe den Kauf durch.
Das muss nicht heißen, dass Kushner wissentlich mit mutmaßlichen Kriminellen Geschäfte machte. Fest steht aber: Für eines seiner wichtigsten Balkan-Projekte, das in Albanien landesweite Proteste gegen die Regierung von Premier Edi Rama ausgelöst hat, wurde Land von einem Mann erworben, dessen Eigentum seit Jahren bestritten wurde und gegen den die albanische Justiz nun wegen Kokainschmuggels, Geldwäsche und mutmaßlich manipulierter Grundstücksdokumente vorgeht. Aus dem Prestigeprojekt ist damit ein weiteres Fragezeichen aufgetaucht: Wie sorgfältig haben Kushners Investoren vorher ihre Geschäftspartner geprüft?
Baufirmen haben jedoch bereits eine Straße durch den Pinienwald geschlagen, Bäume zersplittert, Kies angekarrt und die Dünenlandschaft mit ihren Reifen zerfurcht. „Wenn es hier keinen Protest gegeben hätte, wäre schon alles asphaltiert“, meint Biologe Olsi Nika, der durch die Landschaft führt. Auf den Bauzäunen waren Stacheln angebracht, was ungute Erinnerungen an kommunistische Zeiten weckte.
Wenn es hier keinen Protest gegeben hätte, wäre schon alles asphaltiert.
Olsi Nika, Biologe
Bauprojekt in Albanien bedroht einzigartige Lagunenlandschaft
Damals war Albanien wie ein riesiges, von einem verbrecherischen Regime geführtes Gefängnis, aus dem keiner fliehen konnte. Die Siedlungen mit Tausenden Villen und Apartments, Wasserparks, Straßen, einem Golfplatz, einer Marina für Jachten und unzähligen Restaurants sollen auf dem dünnen Küstenstreifen zwischen Meer und Lagune entstehen. Eine Villenreihe soll dabei hinter der nächsten erwachsen. Die ersten Bauarbeiten begannen ohne Umweltverträglichkeitsprüfung. „Wenn der Protest nicht stattgefunden hätte, wäre die Lagune, die in Zehntausenden Jahren entstand, in zwei Monaten bereits zerstört gewesen“, meint Nika.
Der Wald, die Dünen, die Lagune und die Naturdenkmäler seien jedenfalls kein Privateigentum, selbst wenn man sie legal besitze. Denn sie gehörten zum Landschaftsschutzgebiet. „Hier zu bauen, ist ein Umweltverbrechen, wenn es nicht auf einer Genehmigung basiert. Und es basiert auf keiner Genehmigung, weil es keine gibt“, sagt Nika. Aus seiner Sicht könnte es eine Lösung sein, dass Kushner und Co. ihre Villen nur auf der Insel Sazan im Meer bauen und das Landschaftsschutzgebiet am Festland in Ruhe lassen.
„Sie könnten Energie aus Wellen, Sonne und Wind gewinnen. Sie könnten da drüben das Meerwasser entsalzen und wieder aufbereiten“, entwirft Nika einen eigenen Tourismusplan. „Das sind alles kostspielige Technologien, aber sie haben ja das Geld dafür. Und dann könnten sie für ein Wochenende auf der Insel 70.000 Euro verlangen.“ Ein Teil von dem Geld müsste im Gegenzug an den albanischen Staat gehen, findet er. Aber auf Gehör ist der Umweltschützer damit noch nicht gestoßen.
