
Albanien, Estland, St.Gallen: Hier verbringen die Stadtratsmitglieder die Ferien

Stadtpräsidentin Maria Pappa fliegt nach Kalabrien.
Bild: Andrea Tina Stalder
Stadtpräsidentin Maria Pappa wird ihre Sommerferien in diesem Jahr in ihrer Heimat in Kalabrien verbringen. Die süditalienische Provinz ist rund 1300 Kilometer von St.Gallen entfernt. «Weil die Distanz sehr gross ist, nehme ich für die Reise das Flugzeug», sagt die Sozialdemokratin. Sie will sich in Kalabrien in erster Linie erholen; dazu gehören das Ausschlafen und viel Zeit mit den Familienangehörigen verbringen.
Maria Pappa schätzt es, in den Sommerferien keine offiziellen Termine zu haben. Gleichwohl werde sie eine gewisse Arbeitsroutine auch fern von St.Gallen beibehalten. An den Vormittagen wird sie E-Mails beantworten, die im hektischen Arbeitsalltag liegengeblieben sind. Die Nachmittage wird sie aber ganz der Familie widmen, auch am Meer.
Ein Buch wird Maria Pappa in den Ferien nicht lesen, wie sie dem «St.Galler Tagblatt» verrät. Sie werde aber spontan entscheiden, ob sie am Strand ein Hörbuch höre. Die Stadtpräsidentin schätzt es, in den Sommerferien die Tage ohne Agenda und ganz spontan gestalten zu können.

Baudirektor Markus Buschor macht Ferien in der Stadt St.Gallen.
Bild: Andrea Tina Stalder
Stadtrat Markus Buschor steht der Direktion Planung und Bau vor. Der Parteilose verbringt seine Sommerferien in der Stadt St.Gallen. Er hat sich für diese doch sehr nahe Destination entschieden, weil er hier zuhause ist, wie er gegenüber dieser Zeitung erklärt. Buschor wird sich diesen Sommer in der Stadt und der Region mit dem Velo und zu Fuss fortbewegen. Das «St.Galler Tagblatt» fragte auch, von wem die Stadträte begleitet werden. Begleitet wird Buschor von seinen Büchern, wie er sagt.
Wichtig ist ihm die Erholung. Er findet in den Sommerferien zuhause aber auch Zeit für Kultur und Sport – Zeit, die ihm im hektischen Arbeitsalltag vermutlich fehlt. Von den zahlreichen Büchern, die ihn in diesen Sommerferien begleiten, hebt Stadtrat Markus Buschor drei Exemplare hervor, die er lesen möchte: «The Poems of Sylvia Plath» von Amanda Golden und Karen V. Kukil, «Ich sehe alles auf meine Art» der russischen Schriftstellerin Marina Zwetajewa und schliesslich John Elderfields Standardwerk über die Kunstmalerin Helen Frankenthaler.

Peter Jans reist mit Zug und Fähre nach Estland und Lettland.
Bild: Benjamin Manser
Stadtrat Peter Jans bereist in diesen Sommerferien zusammen mit seiner Frau die beiden Länder Lettland und Estland. Für die Destination haben sie sich entschieden, weil sie noch nie dort waren, die Länder viel bieten und weltpolitisch aktuell sind, wie der Sozialdemokrat gegenüber dieser Zeitung sagt. Der Vorsteher der Direktion Technische Betrieb reist mit dem ÖV: mit dem Zug über Hamburg nach Travemünde und von dort mit der Fähre nach Lettland und auch wieder so zurück
Jans will vom Alltag abschalten. Erholung finden will er in der «grossartigen Natur des Baltikums». Fest eingeplant haben seine Frau und er einen Besuch in den Nationalbibliotheken in Riga und in Tallinn. Lesen will Peter Jans das Buch «Das Versagen» von Katja Gloger und Georg Mascolo. Das Buch sei eine investigative Aufarbeitung der deutschen Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte. Es zeige auf, dass viele Warnzeichen ignoriert worden seien, und wie versucht worden sei zu erklären, wie es letztlich im Jahr 2022 zur russischen Invasion in die Ukraine kam.

Stadträtin Sonja Lüthi liest mit ihren Kindern «Die Schwarzen Brüder».
Bild: Andrea Tina Stalder
Sonja Lüthi verbringt ihre Sommerferien an drei Destinationen: in Frankreich, am Pfäffikersee und in Liestal. Die grünliberale Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit wird von ihrer Familie begleitet. «Uns gefällt die Kombination aus neuen Eindrücken, Erholung und Zeit mit der Familie.» In Frankreich lernt Familie Lüthi eine neue Gegend kennen und am Pfäffikersee geniesst sie die Nähe zum Wasser und gemeinsame Zeit mit Freunden. «In Liestal verbringen wir Zeit mit meinen Schwiegereltern und unterstützen sie beim Umzug in ihre neue Wohnung», sagt die Stadträtin.
Sonja Lüthi und ihre Familie reisen mit dem Auto. Einmal am Ziel angelangt, wird die Gegend zu Fuss entdeckt. Im Alltag ist die gemeinsame Zeit mit der Familie knapp. Umso mehr liegt der Fokus in den Ferien auf der Familie. Lüthi liest zusammen mit ihren Kindern das Buch «Die Schwarzen Brüder» von Lisa Tetzner. «Die Geschichte ist spannend, berührend und regt zu Gesprächen über Geschichte, Zusammenhalt und Gerechtigkeit an.»

Mathias Gabathuler will mit dem Wohnmobil römische Wege entdecken.
Bild: Michel Canonica
Mathias Gabathuler reist zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Paar nach Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Die Kinder sind erwachsen und planen die Ferien selber. Warum Osteuropa? «Unsere Absicht war es schon vor vielen Jahren, welthistorische römische Verkehrs- und Siedlungswege zu erkunden», sagt der freisinnige Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit. Das hätten sie schon in Rumänien gemacht.
Die beiden Paare reisen mit dem Wohnmobil. Das heisst: «Keine Buchung, keine Tagesordnung, kein Detailziel. Einfach fahren.» Gabathuler, seine Frau und ihre Freunde sind Bergsteiger. Das präge die Bewegungsaktivität. Doch der Auslöser für die Destinationen sei die historische Komponente. Gabathuler liest in den Sommerferien mehrere Bücher. «Ich bin jedoch gespannt auf ‹Magnifica humanitas› von Papst Leo.» In seiner humanistischen Ausbildung habe er mehrere Enzykliken auf Latein studiert. «Diese aktuellste hat aber eine klare Botschaft, die mich sehr interessiert.»

Stadtschreiber Manfred Linke macht Ferien «ums Huus ume».
Bild: zvg
Stadtschreiber Manfred Linke verbringt seine Sommerferien in diesem Jahr ganz nach dem Motto «der Nähe und der Familie nach», wie er auf Anfrage dieser Zeitung schreibt. «Wir verreisen im Sommer nicht», sagt Linke. Er verbringt auch in diesem Jahr ein paar freie Tage daheim in der Stadt St.Gallen und besucht zwischendurch Familienangehörige in Winterthur und in Bern. Je nach dem, wohin er auf Besuch geht, wird er von seiner Frau oder seinen Kindern begleitet, sagt Linke.
Er ist in den Ferien oft mit seinen Hunden zu Fuss unterwegs. Wenn er Verwandte besucht, nimmt er den Zug oder das Auto. Zu den Schwerpunkten seiner Ferienbeschäftigung zählt der Stadtschreiber die Erholung. Diese findet er «ums Huus ume» im Kreise der Familie, bei gutem Essen und beim Lesen. «Falls ich in der Bibliothek Hauptpost in St.Gallen einen Band der kanadischen Schriftstellerin Louise Penny aus der Reihe mit Inspector Gamache finde, den ich noch nicht gelesen habe, leihe ich mir diesen Band aus», sagt Linke, der seit mehr als 25 Jahren bei der Stadt ist.


