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Albanien: „Flamingo-Revolution“ erschüttert die Regierung


Demonstranten nehmen am Samstag, dem 27. Juni 2026, in Tirana an einer Kundgebung gegen ein Küstenentwicklungsprojekt im Westen Albaniens teil, das mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, in Verbindung steht [AP Photo/Hameraldi Agolli]

Seit Ende Mai erlebt Albanien die größte Protestbewegung seit dem Ende des stalinistischen Regimes Anfang der 1990er Jahre. Was als lokaler Widerstand einiger Anwohner und Umweltschützer an der südlichen Adriaküste begann, hat sich binnen weniger Wochen zu landesweiten Massendemonstrationen ausgeweitet, die sich gegen die rechte Regierung von Ministerpräsident Edi Rama, gegen die grassierende Korruption und gegen den Ausverkauf des Landes an reiche in- und ausländische Investoren richten. Am 20. Juni gingen in der Hauptstadt Tirana nach Schätzungen albanischer Medien mehr als 250.000 Menschen auf die Straße. Am 27. Juni fanden erneut Massenproteste statt.

Unmittelbarer Anlass der Proteste ist ein Tourismusprojekt von rund 1,4 Milliarden Euro auf der unbewohnten Insel Sazan und an der Küste bei Zvërnec, angrenzend an die Lagune von Narta. Geplant sind dort Hotels, Villen, Apartments und ein Jachthafen. Hauptinvestor ist der US-amerikanische Geschäftsmann Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Kushner und Trumps Tochter Ivanka hatten die Insel nach eigenen Angaben bei einer Bootsfahrt „entdeckt“ und beschlossen, sie zu kaufen.

Die Lagune von Narta gehört zu den artenreichsten und letzten weitgehend unberührten Küstenökosystemen des Mittelmeers. Sie ist Rastplatz für rund 200 Vogelarten, darunter Flamingos, die zum Symbol der Bewegung wurden.

Die Regierung verlieh dem Vorhaben den Status einer „strategischen Investition“ und genehmigte damit die Bebauung eines geschützten Naturgebiets. Am 23. Mai begannen im Dorf Zvërnec die ersten Proteste, nachdem die Küste abgesperrt worden war. Als am 30. Mai privates Sicherheitspersonal Demonstranten angriff und die anwesende Polizei nicht eingriff, schlug die lokale Auseinandersetzung in eine landesweite Bewegung um. Einen Tag später erreichten die Proteste Tirana, wo sich die Demonstrationen seither auf den zentralen Skanderbeg-Platz und das Büro des Ministerpräsidenten konzentrieren. Weitere Kundgebungen folgten im Kosovo und auch in anderen europäischen Städten.

Die Proteste richten sich gleichermaßen gegen die skrupellosen US-Investoren wie gegen die albanische politische Klasse, die korrupt bis ins Mark ist und nicht selten offen kriminell agiert. Offiziell werden die Proteste von keiner Partei getragen. Kleinere Parteien wie Movement Together (Lëvizja Bashkë), ein Sammelbecken pseudolinker und EU-freundlicher Kräfte, versuchen, aus der weitverbreiteten Ablehnung gegen die etablierten Parteien Kapital zu schlagen.



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