
Drogengeld, Flamingos, Trumps Schwiegersohn: Albaniens Luxusresort-Skandal eskaliert
In Albanien protestieren Tausende gegen strittige Bauprojekte in geschützten Küstengebieten. Die “Flamingo-Revolution” mobilisiert gegen Korruption und die Regierung. Die Spur führt bis zu den Trumps.
Was als Protest gegen ein Luxushotel begann, ist mittlerweile zu einem handfesten Korruptionsskandal mit internationaler Dimension geworden. Gerichtsdokumente bringen nun einen Mann ins Spiel, der Land für das umstrittene Projekt verkaufte und im Visier der albanischen Drogenfahnder steht.
Geld aus dem Drogenhandel?
Im Zentrum steht ein rund 4 Milliarden Euro schweres Resort-Projekt in der geschützten Vjosa-Narta-Lagune, einem ökologisch sensiblen Feuchtgebiet mit seltenen Dalmatinerpelikanen und Flamingokolonien. Albaniens Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisiertes Verbrechen (SPAK) ließ ein Bankkonto mit über 110 Millionen Euro sperren. Das Geld stammt laut Gerichtsbeschluss aus einem Landverkauf zwischen einem gewissen Artur Shehu und der Firma Albanian Land Development, einem der am Projekt beteiligten Unternehmen.
Shehu wird in separaten Gerichtsdokumenten verdächtigt, an Drogenschmuggel und Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein. Ein Komplize soll mit gefälschten Dokumenten dabei geholfen haben, das Land für das Projekt überhaupt erst zu beschaffen. Dem gingen jahrelange Eigentumsstreitigkeiten mit Anrainern voraus, die ihre angestammten Rechte an dem Grund reklamieren.
Mittlerweile hat die Antikorruptionsbehörde in Albanien 20 Haftbefehle erlassen, mindestens vier Menschen wurden festgenommen. In einer Erklärung albanischer Behörden werden Bauprojekte „in Küstengebieten“ erwähnt, die mit den Haftbefehlen in Verbindung stehen.
Ivankas Kerzen, Albaniens Bagger
Pikant wird die Sache durch die prominente politische Schützenhilfe: Ivanka Trump besuchte die Region im Jänner, ließ sich medienwirksam in einem Polizeikonvoi durch die Küstendörfer chauffieren, zündete Kerzen im Kloster von Zvërnec an und schwärmte öffentlich von der “wunderschönen Halbinsel”. Kurz danach erteilte die albanische Regierung die Baugenehmigung.
Ihr Ehemann Jared Kushner wird medial immer wieder mit dem Projekt über seine Investmentfirma Affinity Partners in Verbindung gebracht – Belege dafür fehlen bislang, die Firma selbst äußerte sich nicht.
Firmenkonstrukt wie aus dem Lehrbuch
Wer steckt tatsächlich hinter dem Projekt? Die Firmenstruktur im Hintergrund ist intransparent. Da ist zum einen eine albanische Projektgesellschaft, gegründet von einer niederländischen Firma mit Sitz im Amsterdamer World Trade Center. Das Stammkapital umfasst nur einen einzigen Euro. Dahinter steht eine weitere niederländische Holding, deren Direktoren ein russischer und ein bulgarischer Staatsbürger waren. Erst im Mai wechselte das Konstrukt den Besitzer: Jetzt halten zwei katarische Geschäftsleute, die Brüder Al Khayat, die Fäden in der Hand – über eine in Katar registrierte Gesellschaft.
“Flamingo-Revolution” gegen Premier Rama
Seit Wochen gehen Tausende Albaner auf die Straße. Sie nennen ihren Protest die “Flamingo-Revolution” – benannt nach den rosa Vögeln, die durch das Bauprojekt ihren Lebensraum verlieren könnten. Auf Plakaten ist von Premierminister Edi Rama unmissverständlich die Rede: “Ihr seid Diebe”, steht da, oder schlicht: “Die Heimat steht nicht zum Verkauf.”
Rama verteidigt das Projekt im Parlament vehement und spricht von einem “Segen für das Land” – schließlich handle es sich um international anerkannte Investoren, deren Gelder ohnehin Geldwäsche-Kontrollen unterlägen. Umweltbedenken wischt er ebenso vom Tisch wie die Kritik an einer 2024 beschlossenen Gesetzesänderung, die strenge Bauverbote in Schutzgebieten aufweichte und genau solche Luxusprojekte in Schutzzonen erst ermöglichte.
Während die Flamingos noch nisten, stehen schon die ersten Baukräne bereit. Ob daraus, wie ein Umweltschützer es formuliert, am Ende doch nur der Swimmingpool einer Villa wird, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden. Vor Gericht und auf der Straße.
Titelbild: APA-Images AFP MANDEL NGAN, APA-Images / AFP / ADNAN BECI (Montage)
Quelle: OCCRP
