
Flamingo-Revolution weitet sich aus: Proteste in Albanien gegen Trump-Projekt eskalieren
Gewalt, Tränengas, Wut: In Albanien kippt der Protest gegen ein Projekt der Trump-Familie – Regierung und Polizei geraten unter Druck.
Tirana – In Albanien wächst der Widerstand gegen ein Luxus-Bauprojekt des Trump-Schwiegersohns Jared Kushner. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag in der Hauptstadt Tirana und forderten nicht nur den Stopp des geplanten Resorts im Naturschutzgebiet Zvernec, sondern auch den Rücktritt der Regierung. Es war die bislang größte Kundgebung seit Beginn der täglich stattfindenden Proteste Ende Mai.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Bereits am Donnerstag war es in Tirana zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, Demonstranten warfen Steine und versuchten, Absperrungen zu durchbrechen. Nach Angaben der Polizei wurden 25 Menschen festgenommen und 15 Polizisten verletzt. 19 Festgenommene befanden sich laut der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag weiter in Haft. Nach einem Bericht der Deutschen Welle kam es auch am Wochenende zu heftigen Auseinandersetzungen.
Albanien: Proteste gegen geplantes Luxus-Projekt der Trump-Familie
Was als lokale Umweltbewegung begann, hat sich zu einer breiten Protestwelle entwickelt. Die Demonstrationen – von vielen „Flamingo-Revolution“ genannt – entzündeten sich am Bau eines Ferienkomplexes an der südwestalbanischen Küste. Das Gebiet, in dem der Tourismuskomplex entstehen soll, ist als Brutstätte von Flamingos bekannt und Teil des geschützten Naturraums Vjosa-Narta-Lagune. Das Projekt sieht außerdem die Umwandlung der bislang unbewohnten Insel Sazan vor, einer einst geheimen kommunistischen Militärbasis, die zu einem exklusiven Urlaubsgebiet werden soll.
An dem Vorhaben ist Berichten zufolge ein Unternehmen beteiligt, das im Umfeld von Jared Kushner und seiner Frau Ivanka Trump steht. Sie hatte 2024 in einem Video über das Projekt gesprochen. Die Verbindung zur Familie von US-Präsident Donald Trump sorgt auch international für Aufmerksamkeit. Kritikerinnen und Kritiker werfen der Familie Trump und ihrem Umfeld vor, politische Netzwerke wirtschaftlich zu nutzen.
Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch Tourismus anzukurbeln. Mittlerweile richten sich die täglichen Proteste zu einem großen Teil auch gegen die albanische Regierung. Die Demonstranten prangern die Korruption in dem Land an und fordern den Rücktritt von Regierungschef Edi Rama. Der forderte westliche Medien im Juni dazu auf, bei ihrer Berichterstattung „viel vorsichtiger“ zu sein. Es gebe „keinen Grund zur Sorge, solange es kein Projekt gibt“.
Menschenrechtsorganisation sieht zunehmende Gewalt der albanischen Polizei
Die Menschenrechtsorganisation Albanisches Helsinki-Komitee (AHK) zeigte sich am Samstag besorgt über die zunehmende Eskalation der Lage bei den Protesten. Gewalttaten Einzelner könnten nicht die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt durch die Polizei rechtfertigen, erklärte das AHK. Die Polizei habe ohne Warnung Tränengas eingesetzt und am Boden liegende Menschen geschlagen, erklärten die Menschenrechtsaktivisten. „Das ist nicht hinnehmbar und erfordert eine sofortige, unabhängige und wirksame Untersuchung.“
„Flamingo-Revolution“: Symbol des Widerstands in Albanien
Auf Transparenten war zu lesen: „Albanien ist nicht zu verkaufen“ – ein Satz, der zum Motto der Bewegung geworden ist. Viele Teilnehmende trugen pinkfarbene Pappflamingos als Symbol des Protests. Demonstrierende warfen Eier, Steine und andere Gegenstände und versuchten, die Polizeiketten zu durchbrechen.
Der pinkfarbene Flamingo, ursprünglich ein Zeichen für bedrohte Artenvielfalt an der Adriaküste, ist inzwischen zum Symbol für eine Bürgerbewegung geworden, die über Umwelt- und Wirtschaftspolitik hinausgeht. Die Demonstrierenden sehen im Kampf gegen das Luxusprojekt auch einen Kampf um nationale Würde. (Quellen: AFP, Deutsche Welle) (nak)
