
Geplantes Tourismusprojekt in Albanien: „Flamingo-Revolution“ gegen das Trump-Resort
Sie schwenken die albanische Nationalflagge und halten Pappmodelle von Flamingos hoch. Tausende Albaner – manche sind dafür extra aus dem Ausland eingeflogen – haben sich am Samstagabend auf dem zentralen Skanderbeg-Platz der Hauptstadt Tirana versammelt, um gegen ein geplantes Luxusresort zu demonstrieren. Den 14. Tag in Folge halten sie Transparente hoch, mit Slogans wie „Albanien ist nicht zu verkaufen“.
„Das ist ein historischer Moment“, sagt Fatos Lubonja, einer der bedeutendsten Schriftsteller des Landes. Am Samstagabend steht der 75-Jährige an der Seite der meist jungen Demonstranten. Er sagt: „Das ist eine Revolution, eine friedliche Revolution“.
Die Proteste ausgelöst hat ein Tourismusprojekt auf Albaniens größter Insel Sazan. Teil des Vorhabens ist auch die Lagune Narta und der gegenüber auf dem Festland gelegene Strand Pishë Poro, der in einem Naturschutzgebiet liegt. 2024 wurden dafür langjährige Bauauflagen gelockert. Daraufhin wurden Pläne bekannt, wonach Ivanka Trump, die Tochter von US-Präsident Donald Trump, und ihr Ehemann, Jared Kushner, dort eine Luxusferienanlage bauen wollen. Konkret umfasst das Projekt eine 1,4 Milliarden US-Dollar teure Hotelanlage auf der unbewohnten Insel und ein 4,7 Milliarden US-Dollar teures Bauprojekt nahe dem Ort Zvërnec.
Das Gebiet zählt zu den ökologisch bedeutendsten Küstenabschnitten am Mittelmeer. Es dient als Rastplatz für Zugvögel auf ihrem Weg nach Afrika und bietet Lebensraum für mehr als 200 Arten, darunter Pelikane und Flamingos. Nun stellt sich heraus: Die Regierung in Tirana hatte das Projekt bereits Anfang 2025 genehmigt – intransparent, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Ich werde Albanien zur Prinzessin der Urlaubsziele am Mittelmeer machen
Edi Rama, albanischer Premier
Proteste weiten sich aus
Das brachte die „Flamingo-Revolution“ ins Rollen. Sie begann am 23. Mai an der Küste von Zvërnec. Als die Demonstranten sich am 30. Mai abermals friedlich dort versammelten, wurden sie von privaten Sicherheitskräften angegriffen. Die Proteste breiteten sich rasch auf weitere Städte aus.
Schon längst richtet sich der Unmut nicht mehr nur gegen das umstrittene Tourismusprojekt. Die Demonstranten sind wütend auf Premier Edi Rama und seine sozialistische Regierungspartei. Auch Sali Berisha, der konservative Ex-Staatspräsident, Ex-Premier und Chef der größten Oppositionspartei PD, wird kritisiert. Ebenso die restliche Polit- und Wirtschaftselite. Die Forderung der Demonstranten: das Alte muss weg, das Neue muss kommen.
Am Freitag hat die albanische Sonderstaatsanwaltschaft zur Korruptionsbekämpfung (SPAK) die Festnahme von 20 Staatsangehörigen beantragt. Sie werden des Drogenhandels und der Geldwäsche verdächtigt. Berichten lokaler Medien zufolge sollen einige der Verdächtigen womöglich mit dem Tourismusprojekt der Familie Trump in Verbindung stehen.
Langzeitpremier Rama, der nach den jüngsten Parlamentswahlen im Mai 2025 dank eines klaren Wahlsiegs seine vierte Amtszeit antrat, hält am Vorhaben fest. „Ich werde Albanien zur Prinzessin der Urlaubsziele am Mittelmeer machen“, so Rama.
Doch die Proteste gehen weiter, allabendlich in Tirana und in verschiedenen albanischen Küstenorten. Auch die Bewohner des Dorfes Riol in einer Region mit Sandstränden und Pinienwäldern im Nordwesten Albaniens demonstrieren derweil gegen ein Tourismusprojekt. Eine albanische Firma baut dort ein Fünf-Sterne-Ferienresort.
Wie beim Vorhaben der Familie Trump auf der Insel Sazan und in Zvërnec hat das Projekt in Riol von der Regierung Rama den „Sonderstatus für Investoren“ erhalten. Dieses werde auf ihrem enteigneten Land errichtet, sagen indes die Anwohner. „Was in diesem Land vor sich geht, ist Wahnsinn“, sagte Nikolín Markpál, 60, ein lokaler Landbesitzer. „Glauben die Investoren etwa, sie könnten all diesen Reichtum ungestraft an sich reißen?“
