Kushner baut in Albanien: Projektgegner wollen nicht weichen
Die Kundgebung am Samstag in der albanischen Hauptstadt Tirana war laut Nachrichtenagentur AFP die bisher größte seit Beginn der Demonstrationen Ende Mai. Die „Flamingo-Proteste“ starteten als Umweltbewegung gegen den Bau des Ferienresorts im Naturschutzgebiet Zvernec an der Südwestküste Albaniens, einem wichtigen Brutgebiet für Flamingos.
Mittlerweile richten sich die Proteste auch gegen die albanische Regierung. Die Demonstrantinnen und Demonstranten, die seit Wochen täglich auf die Straße gehen, prangern die Korruption in dem Land an und fordern den Rücktritt von Regierungschef Edi Rama.

Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch Tourismus anzukurbeln. Die Demonstrantinnen und Demonstranten werfen der albanischen Regierung jedoch vor, ausländische Investoren wie die Kushners bei der Ausplünderung des Landes zu unterstützen. Auf ihren Plakaten ist oftmals zu lesen: „Albanien steht nicht zum Verkauf“.
10.000 Zimmer im Naturschutzgebiet
An dem Bauprojekt sind Kushner und seine Frau Ivanka Trump beteiligt. Die Trump-Familie hat weltweit vielfach in Luxusprojekte investiert.

Das Bauprojekt soll enorm werden, eine von Kushners Firmen will 1,4 Milliarden Euro investieren. Das Großprojekt soll Hotels und private Villen umfassen, einen Jachthafen, Restaurants und Freizeiteinrichtungen. Insgesamt sollen 10.000 Fremdenzimmer entstehen.
Begonnen hatte der Protest, nachdem an einem Strand in Zvernec plötzlich mit Stacheldraht gesicherte Bauzäune und Bagger aufgetaucht waren.
Eskalation vor dem Parlament
Am Donnerstag hatten sich viele Demonstrierende zum zweiten Mal diese Woche vor dem Parlament versammelt, um den Abgeordneten den Zugang zum Gebäude zu versperren. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Die Demonstranten warfen Eier, Steine und andere Gegenstände und versuchten, die Polizeiketten zu durchbrechen. 15 Polizisten wurden verletzt, 25 Demonstranten wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Inzwischen sitzen noch 19 Demonstranten in Polizeigewahrsam.
Menschenrechtler fordern Untersuchung
Die Menschenrechtsorganisation Albanisches Helsinki-Komitee (AHK) zeigte sich am Samstag besorgt über die zunehmende Eskalation der Lage bei den Protesten. Gewalttaten Einzelner könnten nicht die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt durch die Polizei rechtfertigen, so das AHK. Die Polizei habe ohne Warnung Tränengas eingesetzt und auf dem Boden liegende Menschen geschlagen, erklärten die Menschenrechtsaktivisten. „Das ist nicht hinnehmbar und erfordert eine sofortige, unabhängige und wirksame Untersuchung.“
