
Video manipuliert – Mann spricht 2024 in Tunesien über Migrationsdeal
Das Video zeigt einen Mann, der in die Kamera spricht. Dazu hört man in englischer Sprache die Worte: «Ich will mein Geld und mein kostenloses Haus. Und eine englische Frau. Das ist mein Traum. Wenn jeder das haben kann, wollen wir es auch. Das kannst du sonst nirgendwo finden. England ist gut.» Hat der Sprecher wirklich diese Forderungen aufgestellt?
Bewertung
Der Ton, die Mimik und die Gestik wurden manipuliert. Im echten Video spricht der Mann über seine seine Sorgen in Bezug auf einen Migrationsdeal zwischen Albanien und Italien.
Fakten
Das Originalmaterial stammt nicht aus aktuellen Quellen in Großbritannien, sondern wurde bereits am 27. Februar 2024 von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) auf YouTube veröffentlicht. Das Video ist somit deutlich älter als die derzeit kursierende manipulierte Version.
Video zeigt Interviewsequenz in Tunesien
Laut der Videobeschreibung von AP zeigt die Sequenz Migranten in Tunesien, die sich zu einem umstrittenen Abkommen zwischen Italien und Albanien äußern. Der Redner spricht im Original kein Englisch, sondern Arabisch.
Kein Wort über England
In der Videobeschreibung wird der Mann als Ahmed aus dem Sudan identifiziert. Zudem ist dort eine englische Übersetzung seines Zitats zu finden: «We need safety and security because we don’t know what will happen to us in Albania. If Europe’s decision will help us, we support it and hope they will help us because we are already fleeing from war.»
Auf Deutsch: «Wir brauchen Sicherheit, weil wir nicht wissen, was in Albanien mit uns geschehen wird. Wenn die Entscheidung Europas uns helfen wird, unterstützen wir sie und hoffen, dass man uns helfen wird, denn wir sind bereits auf der Flucht vor dem Krieg.» Demnach spricht der Interviewte mit keinem Wort von England – anders, als im Post behauptet. Seine Worte wurden vermutlich mithilfe von KI manipuliert.
Gestik, Mimik und Tonlage wurden auch manipuliert
Bei einem Vergleich des Originals und der manipulierten Version fällt zudem auf, dass Ahmeds Gestik, Mimik und Tonlage sich unterscheiden. Im Original spricht er ruhig, zeigt kaum Gestik und seine Hände sind im Video nicht zu sehen. In der manipulierten Version spricht die Person lauter, aggressiver und mit wütend wirkender Mimik. Sie gestikuliert und ihre Hände sind im Video sichtbar.
Ein weiteres optisches Detail beweist, dass die jüngst veröffentlichten Clips mit KI verändert wurden und nicht etwa eine andere Sequenz aus einem längeren Original darstellen: Das Hemd des Mannes mit der Sonnenbrille rechts im Bild unterscheidet sich von dem in der älteren AP-Aufnahme. In den manipulierten Clips fehlen die Streifen entlang der Knopfleiste und auch der Kragen sieht anders aus. Hier hat die KI erkennbar geschludert.
Hintergrund ist Migrationsabkommen
Im Februar 2024 hatte das albanische Parlament ein umstrittenes Migrationsabkommen mit Italien ratifiziert. Das Abkommen sah vor, dass Italien jährlich bis zu 36.000 Asylsuchende in Auffangzentren auf albanischem Staatsgebiet unterbringen kann. Albanien ist kein EU-Mitgliedstaat. Das Abkommen geriet rasch in die Kritik von Menschenrechtsorganisationen und führte zu mehreren juristischen Auseinandersetzungen.
