
Vier Millionen Euro für Kanye West: Albanien verteidigt Staatsgelder für Mega-Konzert
Die albanische Regierung hat ihre Entscheidung verteidigt, ein Konzert von Kanye West in Tirana mit öffentlichen Geldern zu unterstützen. Die Veranstaltung werde den Tourismus stärken, internationale Aufmerksamkeit auf Albanien lenken und langfristig neue Perspektiven für die Veranstaltungsbranche des Landes eröffnen, erklärte die Regierung. Hintergrund sind anhaltende Kritik an den Kosten sowie die Kontroversen um den US-Rapper.
West, der inzwischen unter dem Künstlernamen Ye auftritt, musste in mehreren Ländern Konzertabsagen und Auftrittsbeschränkungen hinnehmen, nachdem er antisemitische Äußerungen gemacht hatte. Der Rapper entschuldigte sich später für einen Teil seiner Aussagen und erklärte, sein Verhalten stehe teilweise im Zusammenhang mit psychischen Problemen.
Albanische Regierungsvertreter betonen vor allem die wirtschaftlichen und werblichen Vorteile des Konzerts. Die Veranstaltung werde Zehntausende Besucher anziehen und dazu beitragen, Albanien als Reiseziel international stärker zu positionieren.
Premierminister Edi Rama und Tourismus-, Kultur- und Sportminister Blendi Gonxhja besichtigten am 7. Juli die letzten Vorbereitungen für das Konzert am 11. Juli. Nach Angaben der Behörden arbeiten Tausende Beschäftigte unter Hochdruck an der Fertigstellung einer provisorischen Stadionanlage, die Besucher aus aller Welt empfangen soll.
Vier Millionen Euro für den Tourismus
Die albanische Regierung stellt rund vier Millionen Euro für die Veranstaltung bereit. Die Entscheidung stieß auf Kritik von Oppositionspolitikern und Vertretern der Zivilgesellschaft, die infrage stellen, ob öffentliche Gelder für ein privat organisiertes Konzert eingesetzt werden sollten.
Rama erklärte, der staatliche Eingriff sei notwendig gewesen, damit die Veranstaltung stattfinden könne. Zu diesem Zeitpunkt hätten bereits Tausende Ticketkäufer aus rund 80 Ländern ihre Reise geplant.
„Der albanische Staat sah sich erst gestern gezwungen einzugreifen und nicht, wie die Krähen und Raben auf dem Boulevard behaupten, Dutzende Millionen Euro, sondern vier Millionen Euro bereitzustellen“, sagte Rama laut einer Regierungserklärung.
Er argumentierte, internationale Großveranstaltungen könnten weitreichende wirtschaftliche Impulse auslösen, und verglich das Konzert mit dem Finale der Uefa Conference League 2022 in Tirana, das dem Tourismus einen erheblichen Schub verliehen habe.

Albaniens Ministerpräsident Edi Rama verteidigt vier Millionen Euro Staatshilfe für das geplante Konzert von Kanye West in Tirana.
© imago
„Vier Millionen Euro in letzter Minute – damit Albanien sich nicht vor fast 25.000 ausländischen Besuchern aus 80 Ländern blamieren muss, die bereits Tickets für Kanye West gekauft haben, und damit eine hervorragende Gelegenheit nicht ungenutzt bleibt, Albanien als Tourismusziel einer der größten Gemeinschaften der Welt, den Musikfans, zu präsentieren“, schrieb Rama auf Facebook.
Nach Angaben des Premierministers nahmen die Buchungen auf Hotel- und Reiseplattformen für das Konzertwochenende deutlich zu. Den wirtschaftlichen Gesamteffekt schätzt die Regierung auf bis zu 100 Millionen Euro.
Kritik an Konzert und Finanzierung
Die Regierung sieht sich zudem Kritik und Vorwürfen der Doppelmoral ausgesetzt, weil sie West auftreten lässt. Der Musiker war in den vergangenen Jahren wegen antisemitischer Aussagen und weiterer öffentlicher Kontroversen international scharf kritisiert worden.
Das Konzert findet nach wochenlangen regierungskritischen Protesten statt. Auslöser war ein geplantes Bauprojekt in einem geschützten Küstengebiet Albaniens, an dem Entwickler beteiligt sein sollen, die Verbindungen zu Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, haben.
Die albanische jüdische Gemeinde hatte zuvor gewarnt, dass ein öffentlicher Auftritt des Rappers antisemitische Rhetorik gesellschaftlich normalisieren könnte. Oppositionspolitiker forderten deshalb die Absage der Veranstaltung.
Gonxhja verteidigte die Entscheidung und bezeichnete das Konzert als große Chance für das internationale Ansehen Albaniens.
„Sogar die Deutschen, die uns besser kennen, waren überrascht“, sagte Gonxhja mit Blick auf die ausländischen Technikteams, die an den Vorbereitungen beteiligt sind. „Gruppen aus Deutschland, England, Frankreich und den Niederlanden sind beeindruckt von den Bedingungen und vom albanischen Ehrgeiz, auf einer Fläche von 65.000 Quadratmetern ein provisorisches Stadion zu errichten.“
Nach seinen Angaben sind rund 3500 Arbeiter an dem Projekt beteiligt. Wegen der technischen Komplexität werde rund um die Uhr gearbeitet.
„Wir arbeiten hier nicht nur an einer einzelnen Veranstaltung. Wir arbeiten daran, uns einen Ruf aufzubauen. Wenn uns diese Organisation gelingt – und wir sind überzeugt, dass sie gelingt –, dann wird uns das noch zehn Jahre lang zugutekommen.“
Nach Angaben der Behörden zählen der temporäre Veranstaltungsort und die dazugehörige Infrastruktur zu den ambitioniertesten Entertainment-Projekten, die bislang in Albanien umgesetzt wurden. Die Regierung hofft, Tirana dadurch dauerhaft als Austragungsort internationaler Konzerte und Großveranstaltungen zu etablieren.
Kritiker halten dagegen, die öffentlichen Mittel wären bei sozialen Projekten besser eingesetzt gewesen. Rigels Xhemollari, Geschäftsführer des Civic Centre, erklärte, das Geld hätte stattdessen in Jugend- und Kulturprogramme fließen können.
„4,23 Millionen Euro an einem einzigen Tag – für Kanye West. Kein Geld für Elektrobusse. Kein Geld für Medikamente. Aber Geld für eine Show!“, schrieb er auf Facebook.
„Mit diesem Geld hätte man 15.000 Kindern 30 Tage lang Kultur- und Ferienprogramme finanzieren können. Stattdessen wurde alles für einen einzigen spektakulären Tag ausgegeben.“
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen einer Kooperation zwischen der Ostdeutschen Medienholding und bne IntelliNews. Der Beitrag erschien zuerst hier auf Englisch.
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