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Albanien: KI-Ministerin «Diella versinkt in Klagen


  • Albaniens KI-Ministerin «Diella», weltweit die erste ihrer Art, steht in gleich mehrfacher Hinsicht heftig in der Kritik.
  • Die Chefinnen der Behörde, die «Diella» betreibt, sitzen wegen Korruption und Millionenbetrugs unter Hausarrest.
  • Auch Schauspielerin Anila Bisha klagt, weil ihr Gesicht und ihre Stimme ohne Einwilligung für den KI-Avatar genutzt wurden.

Mit einem KI-Avatar wollte Albanien Korruption bekämpfen – jetzt sollen die für die auf einer künstlichen Intelligenz basierende «Ministerin» Verantwortlichen selbst ihre Taschen gefüllt haben: Wegen dieses und diverser anderer Vorwürfe wird die Luft für die weltweit erste KI-Ministerin immer dünner.

Das war der Plan

Vorgestellt wurde «Diella», wie die KI von der albanischen Regierung getauft wurde, im September 2025, zuvor hatte das LLM als Chatbot bereits auf dem Behördenportal E-Albania existiert. Premierminister Rama kündigte bei der Einführung an, dass die KI-Ministerin künftig direkt ihm unterstellt sein werde und nicht gefährdet sei, dem Nepotismus zu verfallen, weil sie keine Familie habe.

Klage 1: Die Opposition

Bereits kurz nach der Vorstellung von «Diella» reichte die Demokratische Partei Albaniens, die der regierenden Sozialistischen Partei Albaniens von Rama als Opposition gegenübersteht, Klage gegen die Ministerin ein. Begründung: Laut albanischer Verfassung dürfe die Regierung nur reale Personen umfassen, zudem müsse ein Algorithmus der Bevölkerung keine Rechenschaft ablegen. Weiter kritisierte die Partei, dass Ramas Dekret, mit dem «Diella» ins Leben gerufen wurde, die Gewaltenteilung verletzte: Ohne Rechtsgrundlage sei eine neue Ministerialstruktur geschaffen worden, die dem Premier neue Zuständigkeiten ausserhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens zuweise. Das Urteil des albanischen Höchstgerichts dazu soll noch am Dienstag fallen.

Klage 2: Die Korruption

Betrieben wird «Diella» von der nationalen albanischen Informationsagentur, kurz AKSHI. Der Auftrag ist eigentlich klar: «Meine Mission ist es, die Arbeit der Regierung jeden Tag zu erleichtern», sagte der KI-Avatar bei einer Rede im Parlament. Dies könnten die Chefs der AKSHI aber nun schamlos ausgenutzt haben: Im Dezember gerieten Direktorin Mirlinda Karçanaj und ihre Stellvertreterin in den Fokus der Justiz, die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität hat seither beide unter Hausarrest gestellt.

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Die Vorwürfe, die gegen die beiden Frauen erhoben werden, wiegen schwer: Sie vergaben demnach Aufträge gezielt an befreundete Unternehmen und setzten auf Einschüchterung und Drohungen, um Konkurrenz zu vergraulen. Dabei soll die AKSHI-Spitze gar auch auf Entführungen gesetzt haben, um total mehrere Millionen Euro zu veruntreuen.

Klage 3: Die echte Vorlage für «Diella»

Alles andere als zufrieden mit der KI-Ministerin ist auch Schauspielerin Anila Bisha. Sie lieh dem albanischen Staat Stimme und Gesicht – gemäss ihren Schilderungen aber nur für den E-Albania-Chatbot und nicht für den nun existierenden KI-Avatar. Der Vertrag sei Ende 2025 ausgelaufen, die Einwilligung, das Gesicht der KI-Ministerin «Diella» zu werden, habe Bisha nie gegeben.

Laut ihrem Anwalt handelt es sich bei der Vereinbarung um einen Exklusiv-Vertrag: «Das bedeutet, dass ihr Bild und ihre Stimme nicht für andere Produkte verwendet werden durften.» Die Regierung weist die Vorwürfe zurück, die Behauptungen würden jeder Grundlage entbehren. Letztlich sei es Sache des Gerichts, zu entscheiden, wer Recht hat, liess ein Regierungssprecher verlauten.

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.



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